"Kleine Zeitung" Kommentar: "Entzug" (von Hans Winkler)

Ausgabe vom 13.2.2002

Graz (OTS) - Peter W. sitzt im Schmollwinkel. Er versteht die Welt nicht mehr.

Da hat er über Monate hinweg eingefädelt, wie man den FPÖ-Mann Walter Seledec, der durch sonst nichts als ebendiese Qualität aufgefallen ist, zum Informationsintendanten des ORF machen könnte -ein Posten, für den ihn außer Westenthaler niemand für geeignet hält. Aber die eigenen Parteifreunde lassen ihn schmählich im Stich.

Was tut der solcherart beleidigte Peter? Etwas, was ihm sehr schwer fallen muss: Er schweigt trotzig und hofft, dass alle kommen, ihm gut zureden und ihn bitten, doch nicht mehr bös zu sein. Er will nur mit dem Jörgl reden und der Susanne.

Und was tut die journalistische Welt, wenn sie nicht jeden Tag ihren Westenthaler bekommt? Sie wird ganz nervös - wie eben einer reagiert, wenn er von einer Droge abgesetzt wird.

Aber nach einigen Tagen wird es beiden fad. Die einen merken, dass es auch ohne ihn geht, und er beginnt unter dem Entzug schwer zu leiden. Schließlich kann er das Wasser nicht mehr halten und lässt sich erst von einem, dann auch von anderen erreichen.

So haben die Süchtigen einander wieder: er die Journalisten und sie ihn.****

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