Auch in Polen gibt es Bedenken zur EU-Erweiterung

Polnische Gewerkschaft "Solidarnosc" beschreibt in der "Solidarität" ihre Position zur EU-Erweiterung

Wien (ÖGB). "Den Österreichern wird Angst vor billigen Arbeitskräften gemacht, die Polen haben Angst vor dem Ausverkauf des Bodens", fasst der polnische Vize-Innenminister Zenon Kosiniak-Kamysz in der Februar-Ausgabe der "Solidarität" die Stimmung vor dem EU-Beitritt Polens zusammen. Die polnische Gewerkschaft "Solidarnosc" befürchtet hingegen eine "Verdrängung der polnischen Unternehmen durch ausländische Investoren und eine steigende Arbeitslosigkeit."++++

Aus der Sicht der "Solidarnosc" könnten durch den EU-Beitritt viele hochqualifizierte Arbeitskräfte für Polen verloren gehen. Joanna Posmyk, Autorin der "Solidarnosc", fordert in Vertretung der polnischen Gewerkschaft eine Erweiterung ein, die beiden Seiten Vorteile bringt. "Dazu muss der Sozialbereich mit dem Wirtschafts-und Politikbereich innerhalb der EU gleichgestellt werden", so Posmyk. Chancen für Polen, wie der Freizügigkeit, stünden Gefahren, wie einer erhöhten Arbeitslosigkeit durch den vermehrten Import subventionierter Waren aus der EU, gegenüber.

"In der Praxis werden nur wenige, hochqualifizierte ArbeitnehmerInnen die ArbeitnehmerInnenfreizügigkeit nutzen", will Posmyk den ÖsterreicherInnen die Angst vor billigen Arbeitskräften aus dem Osten nehmen. Die Daten aus mehreren Umfragen wischt die polnische Gewerkschaft vom Tisch, es würde sich dabei eher eine Traumvorstellung handeln als um die konkrete Bereitschaft zur Ausreise. AK-Experte Günther Chaloupek erwartet hingegen 300.000 bis 500.000 mögliche Zuwanderer aus allen Beitrittskandidatenländern in den nächsten Jahren.

Die Standpunkte der "Solidarnosc" und die Diskussion mit dem ÖGB können in der aktuellen Ausgabe der "Solidarität" oder unter www.soli.at nachgelesen werden.(tb)

ÖGB, 12. Feber 2002
Nr. 129

Rückfragen & Kontakt:

Tina Brunauer
Tel. (01) 534 44/357 DW
Fax.: (01) 533 52 93

ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB