Erfolgreicher Strukturwandel in Wiens Wirtschaft

Rieder: Studie bestätigt Trend weg von Produktionsbetrieben hin zu Wissensmanagement und Hochtechnologie

Wien, (OTS) "Die Wiener Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik stützt sich sowohl auf eine enge Zusammenarbeit mit den Interessensvertretungen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber, und zwar durchgehend und nicht nur auf Zuruf oder in Form spektakulärer Krisengipfel, als auch auf wissenschaftliche Analysen. Auf dieser Grundlage unterstützen wir einen Strukturwandel der Wiener Wirtschaft, der seit der Hälfte der 90er Jahre eine Strukturverbesserung gebracht hat, die nicht nur österreichweit sondern auch im internationalen Vergleich respektabel ist", erklärte Wiens Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder am Dienstag im Rahmen des Mediengesprächs des Bürgermeisters, in der die WIFO-Studie "Analyse der Wiener Wirtschaftsaktivitäten" präsentiert wurde. "Die Wiener Wirtschaft hat damit sowohl in der Wettbewerbsstärke zugelegt, als auch ihre Zukunftschancen vor allem im Hinblick auf die Erweiterung der Europäischen Union verbessert." Rieder weiter: "Es ist kein Zufall, dass sich Wien unter den Top Ten der reichsten EU-Regionen befindet und unter den Bundesländern und österreichischen Städten die höchste Einkommensgröße und Konsumkraft aufweist."

"Andererseits hat dieser Strukturwandel in der Wirtschaft auch den Arbeitsmarkt beeinflusst und weitgehend verändert. Die Wiener Beschäftigtenpolitik bildet mit der Wiener Wirtschaftspolitik eine Einheit, hat aber eine zusätzliche kompensatorische Aufgabe, nämlich, die negativen Auswirkungen des Strukturwandels auf die Beschäftigtensituation zu verhindern. Vor allem ist es das Ziel der Beschäftigtenpolitik, die Qualifikation der Arbeitnehmer zu fördern und ein Spezialprogramm im Zusammenhang mit den atypischen Beschäftigtenverhältnissen (Geringfügig Beschäftigte; Werkverträge) zu entwickeln. Ein besonderer Schwerpunkt der Beschäftigungspolitik liegt in der Betreuung und Förderung junger Menschen im Berufseinstieg", so Rieder.****

Fasst man die zu diesem Thema vorliegenden wissenschaftlichen Arbeiten (Analyse der Wiener Wirtschaftsaktivitäten, Preparity, etc.) zusammen, so ergibt sich folgendes Bild der Wiener Wirtschaft:

1. Ein Zehntel des Wiener Betriebsbestandes wird jährlich durch Neugründungen geschaffen; ein Zehntel allerdings auch geschlossen. Die permanenten Neugründungen sind die treibende Kraft für Wachstum und Strukturwandel. Die Gründungsdynamik ist in Wien höher als anderswo in Österreich (7,69 gegenüber 7,16 Prozent). Mehr als die Hälfte der 55.500 Wiener Betriebe ist jünger als 10 Jahre. Dabei sind die Dienstleistungsunternehmen deutlich jünger als die Sachgüterproduktionen. Von den 1995 gegründeten Betrieben existierten im Jahr 1999 noch 32 Prozent.
 

2. Der Großteil der Branchen mit positivem Wachstum sind Dienstleistungsbranchen. Die Dienstleistungsbetriebe in Wien profitieren in erheblichem Ausmaß von der Nachfrage im weiten Umland. Wien hat sich als überregionales Dienstleistungszentrum für die Ostregion Österreichs etabliert. Positive Beschäftigungsentwicklungen sind in den Dienstleistungssektoren mit starker Softwareorientierung bzw. mit hoher Humankapitalintensität sowie in Branchen mit einer starken wirtschaftlichen Verflechtung zu anderen Betrieben / Branchen zu registrieren. In Wien weisen die Bereiche der Sachgüterproduktion eine abnehmende Beschäftigungsentwicklung auf. Die deutlichsten Beschäftigungsverluste zeigten sich in arbeitsintensiven und niedrig qualifizierten Branchen. Dies bestätigt die Hypothese, dass Wien kein Standort für gering qualifizierte Tätigkeiten sei.

3. Die sich aus der Ostöffnung ergebenen Absatzchancen wurden von der Wiener Wirtschaft überdurchschnittlich genutzt, und dabei ist der Wiener Osthandel besonders auf Qualität ausgerichtet. Wien hat die Funktion einer Ost-West-Drehscheibe für multinationale Konzerne übernommen: 15 von 20 im Jahr 2001 neu entstandenen Osteuropa-Hauptquartieren sind in Wien. Wien ist weiterhin Wirtschaftsstandort erster Wahl, 68 von 120 ausländischen Investitionsprojekten wurden in Wien getätigt

4. Die Wiener Wirtschaft hat einen Spitzenplatz bei den Investitionen je Beschäftigten und eine hohe Akademikerquote sowie einen Spitzenplatz bei den international handelbaren Diensten. Die Innovationsaufwendungen in Prozent des Umsatzes sind in Wien höher als im Österreichdurchschnitt (5,6 Prozent gegenüber 4,2 Prozent). Ebenso höher sind die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (3,7 Prozent gegenüber 2 Prozent). Einen Spitzenwert gibt es auch beim Anteil des Forschungs- und Entwicklungspersonals an den Beschäftigten (10 Prozent gegenüber 4,5 Prozent).

5. Wien ist die viertwichtigste Kongressstadt der Welt, und der Wiener Städtetourismus hat die Turbulenzen des Jahres 2001 gut gemeistert.

6. In Wien arbeiten 18 Prozent der Arbeitskräfte in einem Betrieb, der jünger als 5 Jahre ist. Im "Rest" Österreichs sind es nur 9 Prozent. Junge und kleine Unternehmen wachsen in Wien rascher als im Österreichschnitt, große und ältere hingegen langsamer. Seit 1996 wurden in Wien 62.000 Arbeitsplätze in neu gegründeten Beschäftigerbetrieben geschaffen. Fast ein Viertel aller neu geschaffenen Arbeitsplätze entsteht somit in neu gegründeten Betrieben.

7. Seit 1995 wurden in Wien durchschnittlich jedes Jahr etwa 20 Prozent (= 131.600) der Arbeitsplätze entweder neu geschaffen oder gingen verloren. Absolut wurden durchschnittlich jährlich 64.400 Arbeitsplätze geschaffen, 67.100 verloren. Etwa 45 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse werden in Wien pro Jahr "umgeschlagen", d.h. aufgelöst und wieder neu aufgenommen. Von diesem Umschlag sind aber nur knapp 25 Prozent der Beschäftigten betroffen. Somit befindet sich einerseits ein großer Teil der Arbeitskräfte in relativ stabilen Beschäftigungsverhältnissen, wohingegen es eine Gruppe von Arbeitskräften permanent "herumwirbelt". Etwa 25 Prozent der betrieblichen Arbeitsplatzschaffung bzw. -verluste resultiert aus Gründungen und Schließungen von Beschäftigerbetrieben. 75 Prozent der Veränderungen finden somit im (Betriebs-)Bestand statt.

8. Etwa 30 Prozent aller direkten Beschäftigungsaufnahmen in Wien ging ein Beschäftigungsverhältnis in einem anderen Bundesland voraus. Umgekehrt folgt auf etwa 26 Prozent der Beschäftigungsbeendigungen ein direktes Beschäftigungsverhältnis außerhalb Wiens. Besonders ausgeprägt ist die Offenheit des Wiener Arbeitsmarktes vor allem in den niedrig qualifizierten Bereichen, in denen der größte Druck besteht: Hier geht etwa 40 Prozent der direkten Beschäftigungsaufnahmen ein Beschäftigungsverhältnis in einem anderen Bundesland voraus.

9. Der verstärkte Strukturwandel hin zu den Dienstleistungen, höher qualifizierten und technologieorientierten Branchen in Wien hat spürbar Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Dieser Strukturwandel stellt erhöhte Qualitätsanforderungen an Arbeitskräfte. Geringer Qualifizierte sollten demnach in Wien zunehmend eine schwierige Arbeitsmarktsituation vorfinden.

10. In den letzten Jahren gab es ein rasches Wachstum der nicht sozialversicherten Beschäftigungsverhältnisse. Der Anstieg der atypischen Beschäftigungsverhältnisse trat somit neben den Trend zur Teilzeitarbeit.

"Wien als überregionales Kompetenzzentrum etablieren"

"Wiens Standortvorteile liegen daher in der weiteren Profilierung als überregionales Dienstleistungszentrum für die Ostregion Österreichs und weite Teile der EU-Beitrittsländer", so Vizebürgermeister Rieder. Schwerpunkte sind dabei die hohe Qualität der Arbeitnehmer und softwareorientierte Beratungsdienstleistungen sowie unternehmensbezogene Dienstleistungen. In den Bereichen, in denen der größte Aufholbedarf besteht, haben wir spezielle Förderprogramme finanziert", so Rieder. "So läuft zur Unterstützung einer noch mehr nach außen orientierten Wiener Wirtschaft seit Beginn des Jahres ein Förderprogramm zur Internationalisierung der Klein-und Mittelbetriebe in Wien, wobei man hier auf den traditionell guten Beziehungen zu unseren östlichen Nachbarn aufbaut. Hier liegen zur Zeit die größten Chancen, und wir helfen den Wiener Klein- und Mittelbetrieben einen Fuß in den entstehenden Markt zu bekommen."

"Wien erhält in all diesen Studien sehr gute Noten als Standort für Unternehmenszentralen. Hier vor allem als Brückenkopf in die Beitrittsländer, wobei die gute Infrastruktur und die Qualifikation der Arbeitnehmer im Mittelpunkt stehen. Ebenso ist Wien als Forschungsstandort für Sachgüterproduzenten interessant.

Zweifellos großes Potenzial besitzt Wien auch als Standort "Kreativer Industrien". Wien als "Musik-Weltstadt" oder die boomende Museumsszene sind Beispiele dafür. Hier kommen die geänderten Konsumgewohnheiten den in Wien in den letzten Jahren entstandenen Strukturen entgegen.

Flankierende Maßnahmen in einem größeren Rahmen

Der intensive Strukturwandel der Wiener Wirtschaft stellt intensive Anforderungen an die Flexibilität der Arbeitnehmer und Betriebe, wobei der Anteil der Arbeitnehmer in hochqualifizierten Arbeitsmarktsegmenten wächst und gleichzeitig ein Rückgang der einfachen manuellen Tätigkeiten zu verzeichnen ist. Flankierend dazu gibt es in Wien ein breites Angebot an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen.

Die Wiener Stadtwirtschaft ist durch eine erhebliche Offenheit dem Umland gegenüber gekennzeichnet. Eine verstärkte Koordination auf allen Ebenen ist daher eines der Ziele der Wiener Wirtschaftspolitik. Ansatzpunkte sind ein gemeinsames Standortmarketing ("Vienna Region"), der Aufbau gemeinsamer Institutionen bis hin zu gemeinsamen Informationssystemen. (Schluss) mmr

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