Ferrero-Waldner "Versöhnen statt spalten"

"unsere Mitverantwortung ernst nehmen"

(Istanbul - OTS) Außenministerin Benita FERRERO-WALDNER sagte heute bei der Tagung der Außenminister der Staaten der EU und der OIC (Organisation Islamischer Staaten) in Istanbul, daß es keinen generellen Zusammenprall zwischen der islamischen Welt und dem Westen gibt. "Die mörderische Attacke vom 11. September kommt von einer verschwindend kleinen, aber höchst aktiven und gefährlichen Gruppe von Muslimen, die vor allem politische Ziele verfolgt - wobei sie allerdings religiös motiviert ist. Dieser Terrorismus wurde von der überwältigenden Mehrheit der Muslime sofort als völlig unislamisch verurteilt", so FERRERO-WALDNER.

"Wir müssen auch im Westen zur Kenntnis nehmen, dass die Religiösität eine ungeheure Kraft im Menschen ist. Sie kann sich positiv auswirken - im Einsatz für die Mitmenschen -, aber auch missbraucht werden für gewaltsame Aktionen wie im Fall USA. Unser gemeinsames Ziel muß es sein, daß Religionen und Kulturen Frieden stiften, indem wir das Potenzial so nutzen wie zum Beispiel in Südafrika. Dort haben wir während der Apartheid auch hören müssen, eine Abschaffung der Rassentrennung sei ohne Blutvergiessen nicht möglich. Es ist dennoch gelungen, weil man andere Prinzipien angewendet hat. In Südafrika haben Menschen erreicht, dass die Apartheid ohne Blutvergiessen abgeschafft wurde - nachher wurde die Wahrheitskommission eingesetzt, welche die Sünden der Vergangenheit aufgearbeitet hat. Warum sollte dies nicht auch im Nahen Osten möglich sein?", sagte FERRERO-WALDNER.

Für die Außenministerin sind folgende Grundsätze die essentielle Friedensprinzipien:
Statt blinder Racheaktionen - Schuldige für Verbrechen zur Rechenschaft ziehen und bestrafen.
Statt die Spirale der Gewalt hochzudrehen, die Dynamik des Konflikts durch Dialogbereitschaft bremsen.
Statt Parteilichkeit - ehrliche Maklerschaft.
Statt sich an Konflikte zu gewöhnen und angesichts der Leiden der Opfer innerlich abzustumpfen - sich für vertrauensbildende Aktionen engagieren.
Statt die Symptome von Konflikten zu bekämpfen - bei ihren sozialen und politischen Ursachen ansetzen.
Statt sich gegen jede Veränderung zu sträuben - auch bereit sein, um des Friedens willen Rechte abzugeben!

"Um die Versöhnung zwischen den Kulturen zu erreichen, müssen wir den Dialog suchen - und Dialog steht klar im Gegensatz zu irgendwelchen Vorstellungen vom "Kampf der Kulturen". Dieser Dialog ist in erster Linie deshalb notwendig, um die anderen immer besser zu verstehen, aber auch um uns selbst besser zu verstehen, was nur auf dem Wege von Vergleich und Konfrontation geschehen kann", so FERRERO-WALDNER.

Die Außenministerin sieht in dem Dialog in Istanbul einen wichtigen ersten Schritt in die richtige Richtung. " Wir können vermutlich mit diesem Dialog nicht sämtliche Konflikte der Welt lösen oder verhindern, aber wir können das Mass an Hass, Feindschaft und Unversöhnlichkeit verringern. Erstens: indem wir ganz konkret für die Verständigung und die Versöhnung zwischen verfeindeten Völkern eintreten. Und zweitens: indem wir wenigstens diejenigen Konflikte aus der Welt zu schaffen beginnen, deren Ursache unterschiedliche Kulturen selbst sind oder deren Brisanz sie mitverschuldet haben", sagte FERRERO-WALDNER.

"Die fanatischsten, grausamsten politischen Kämpfe sind die von Religionen eingefärbten, inspirierten, legitimierten politischen Kämpfe. Dies auszusprechen heisst nicht, diese Konfliktherde auf Religionskämpfe zu reduzieren, sondern heisst, unsere Mitverantwortung ernst zu nehmen. Die Weltreligionen, Christen, Juden und Muslime, Hindus und Buddhisten sind hier gleichermassen herausgefordert. Religionen und Kulturen sollen sich auf das besinnen, was ihnen trotz aller Differenzen gemeinsam ist und was in der goldenen Regel zentral ausgedrückt wird: Was ihr wollt, das auch die Leute tun, das tut ihnen auch", so FERRERO-WALDNER abschließen (Schluß).

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