"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Schwerarbeit in närrischen Zeiten

Ausgabe vom 12.02.2002

Nicht schon wieder... Nicht schon wieder Fasching! Andererseits ist ja Hoffnung gegeben: Die Zeit der Humbas und Tätares, herzlähmendem Schunkelns, anständiger Krapfen und (zu) häufig fäkalorientierter, also beschissener Pointen nähert sich finalem Höhepunkt.

Ein Höhepunkt, ein Orgasmus fraglicher Qualität. Sich darüber lustig zu machen, wäre allerdings verfehlt. Schließlich handelt es sich beim Fasching um eine zutiefst ernste Sache. Schau´n Sie sich heute Abend den Villacher TV-Fasching an! Man muss wahrlich kein Misanthrop sein, um zu folgendem Schluss zu gelangen: All die zwischen Sektkübel und Fernsehkameras eingezwängten Leute aus der feinen politischen Gesellschaft leisten Schwerarbeit. Krümmen, winden sich vor Lachen. Lassen uns teilhaben an ihrer unsäglichen Heiterkeit, die zwischen Ärger und Pflicht gelegt, von Scheinwerfern reflektiert und Schein gefordert, von Talmi besetzt und Taktik umrahmt ist.

Wozu ein gescheiter Satz des angesehenen Literaten und renommierten Faschingskritikers Franzobel anzuführen wäre. Der 1995 mit dem Klagenfurter Bachmann-Preis und 1998 mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor Bedachte lässt uns wissen: "Nicht der Villacher Fasching, habe ich manchmal den Verdacht, kopiert das Leben, sondern es ist umgekehrt, das gesellschaftliche Leben ahmt die Faschingsnarren nach." Belassen wir es damit. Oder ist es doch angebracht? Die Vermutung nämlich, dass das gesellschaftspolitische Leben die Faschingsnarren weit über die Narrenzeit hinaus nachahmt?

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
E-Mail: ktzredaktion@apanet.at

Kärntner Tageszeitung

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI/KTI