Einkommensnachteil von Frauen: Die Wirklichkeit ist vielfältig

Linz (AKO) Frauen verdienen um 35 Prozent weniger als Männer. Immer wieder wird versucht, diese Tatsache durch die Behauptung zu relativieren, dass Vergleiche nur zwischen Männern und Frauen in exakt gleichen Jobs zulässig seien. Dem widerspricht die AK-Frauenredaktion ganz entschieden.

Einem jüngst in den oberösterreichischen Nachrichten erschienenen Artikel zufolge betrage der Unterschied nicht wirklich 35 Prozent, weil dabei unterschiedliche Arbeitszeit, Ausbildung und Dauer der Tätigkeit nicht berücksichtigt seien.

Doch Einkommensvergleiche bei exakt gleicher Tätigkeit spiegeln nur einen kleinen Ausschnitt der Realität wider. Die Wirklichkeit, mit der Frauen konfrontiert sind, ist wesentlich vielfältiger.

Obwohl Frauen (bezahlt und unbezahlt) mehr arbeiten als Männer, verfügen sie über weniger Geld.

Tatsächlich geht nur ein Teil des Einkommensnachteils auf ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit zurück. Doch einschlägige Untersuchungen beziehen meist gleichwertige Tätigkeiten nicht ein. (siehe Frauenredaktions-Beiträge zur Arbeitsbewertung)

Aber auch ein Vergleich zwischen Frauen und Männern mit gleicher und gleichwertiger Arbeit blendet einen Teil der Wirklichkeit aus:
die sogenannte gläserne Decke, die Frauen nach wie vor den beruflichen Aufstieg erschwert.

Dann wäre da noch die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ob sie wollen oder nicht: Vielen Frauen bleibt mangels Unterstützung durch Männer, Gesellschaft und Arbeitgeber gar nichts anderes übrig, als längere Unterbrechungen bzw. Teilzeitjobs zu "wählen".

Erwerbstätige Frauen sind nach wie vor zu einem großen Teil in traditionellen Frauenberufen konzentriert. Dass diese Berufe schlechter entlohnt werden, erklärt aber wieder nur einen Teil des gesamten Einkommensnachteils. Schon auf den zweiten Blick drängt sich die Frage auf, warum beispielsweise Sozialberufe schlechter bezahlt werden als beispielsweise technische Berufe - nachgefragt werden beide in einem hohen Ausmaß.

Auch bei hochqualifizierter Vollzeitarbeit verdienen Frauen weniger, wie folgender Vergleich zeigt:

Stundenlohn der vollzeitbeschäftigten Frauen in Prozent der vollzeitbeschäftigten Männer

ALLE 78%
Führungskräfte 71% Hochqualifiziertes Personal 84%
Gehobenes technisches/medizinisches Personal 68%
Gehobenes Dienstleistungspersonal 75%
Verwaltungs- und Büropersonal 84%
Einfaches Dienstleistungspersonal 82%
Handwerkliches Personal mit Lehre 71% AnlagenbedienerInnen 82% Hilfsarbeitskräfte 81%

Quelle: Einkommen von Frauen und Männern in unselbständiger Beschäftigung, Petra Gregoritsch, Monika Kalmar, Michael Wagner-Pinter, Endbericht, BM für Wirtschaft und Arbeit, Wien 2000; eigene Berechnungen

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