Aktuelles Thema: Sollen Tarife der Wiener Linien erhöht werden?

Bericht in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift wien.at print

Wien, (OTS) Die Wiener Linien wollen ihre Tarife erhöhen und zumindest mit den ÖBB-Fahrpreisen harmonisiert wissen. Das würde bedeuten, dass der Einzelfahrschein - aus Sicht des Unternehmens -1,50 Euro statt 1,30 Euro (plus 15,4 Prozent) und die Jahresnetzkarte 400 Euro statt 377,90 Euro(plus 5,8 Prozent) kosten würde.

Die Stadt Wien leistet einen ziemlich großen Beitrag, um die Kosten der Wiener Linien zu decken. Und über die höheren Preise muss noch im Rathaus verhandelt werden. Bürgermeister Michael Häupl will diesem Vorschlag, wie er in einem Mediengespräch mitgeteilt hatte, nicht zustimmen, wenn keine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit besteht. Finanzstadtrat Sepp Rieder sagte gegenüber wien.at, dass Erhöhungen unter zehn Prozent bleiben müssten und jedenfalls nur stattfinden könnten, wenn alle internen Rationalisierungsmaßnahmen ausgeschöpft seien. Die drei Oppositionsparteien im Wiener Gemeinderat, FPÖ, ÖVP und Grüne, lehnen Tariferhöhungen entschieden ab.

In der Februar-Ausgabe der Zeitschrift wien.at print ist die Frage, ob die Tarife der Wiener Linien erhöht werden sollen, ein zentrales Thema. Und das meinen Politiker der vier im Wiener Gemeinderat vertretenen Parteien dazu:

Rieder: Erst prüfen, ob Erhöhung nötig ist

"Dank ÖVP und FPÖ zahlten die ÖsterreicherInnen niemals höhere Steuern als heute. Kein Wunder also, dass niemand große Lust verspürt, auch noch für kommunale Leistungen tiefer in die Tasche zu greifen", konstatiert Finanzstadtrat Sepp Rieder (SPÖ). Diese Leistungen, etwa öffentlicher Verkehr oder Müllabfuhr, funktionierten nicht nur ausgezeichnet, sondern seien auch im österreichischen wie auch internationalen Vergleich
kostengünstig.

"Derzeit wird geprüft, wo nach Ausschöpfung aller Einsparungspotentiale Tarifanpassungen notwendig sind - nicht etwa für Budgetkosmetik a la Bund, sondern um die gewohnt hohe Qualität weiter zu sichern", sagt Rieder. Massiv kritisiert er die Tatsache, dass ausgerechnet ÖVP und FPÖ, die auf Bundesebene den ÖsterreicherInnen die höchste Steuerquote, den geringsten Einkommenszuwachs und ein im EU-Vergleich miserables Wirtschaftswachstum beschert hätten, in Wien von einer Belastungswelle sprächen.

Kabas: Billiger statt teurer

"Billiger statt teurer" verlangt FPÖ-Klubobmann Hilmar Kabas: es sei ein großer Irrtum, zu glauben, dass höhere Kosten durch höhere Tarife abgedeckt werden könnten. Wenn es abermals zu einer Verteuerung komme, würden noch mehr WienerInnen auf das Auto ausweichen. "Das macht dann weitere Verteuerungen notwendig", befürchtet Kabas.

Dagegen zeigten andere Beispiele: Werden beispielsweise die Intervalle bei öffentlichen Verkehrsmitteln verdichtet, steigt das Fahrgastvolumen. Damit werden auch die Einnahmen mehr. Die Freiheitlichen verlangen daher statt einer Verteuerung eine Senkungen der Tarife und eine echte Attraktivierung der Öffis, etwa durch den Ausbau der U1 bis Rothneusiedl, der U 2 über Hirschstetten nach Essling, der U 3 bis Dornbach bzw. Kaiserebersdorf, der U 4 bis Auhof und Klosterneuburg sowie der U 6 bis Baden bzw. Stammersdorf.

Tschirf: keine Belastungslawine für WienerInnen

Gegen eine Belastungslawine für die WienerInnen spricht sich auch ÖVP-Klubobmann Matthias Tschirf aus. Seine Partei verwahre sich gegen jegliche Art von Erhöhung städtischer Tarife und Gebühren, solange andere Maßnahmen zur Effizienzsteigerung nicht gesetzt würden.

"In allen Bereichen der Wiener Verwaltung und der Wiener Linien gibt es noch zahlreiche Einsparungspotentiale, die noch nicht ausgeschöpft sind", unterstreicht Tschirf. Gerade bei den Wiener Linien seien in den letzten zehn Jahren die Tarife im Vergleich zur Inflationsrate viel stärker angestiegen. Es sei zu befürchten, dass die jetzt geplante Tariferhöhung der Wiener Linien im Ausmaß von voraussichtlich zehn Prozent erst der Anfang einer umfassenden Tarif-und Gebührenerhöhung auch in anderen Bereichen sein werde. Die Volkspartei sei nicht bereit, den sozialistischen Weg mitzugehen, bei dem lieber Steuern erhöht würden als sorgsam mit den vorhandenen Mitteln zu wirtschaften.

Margulies: Absolut rote Erhöhung

Als "absolut rote Erhöhung" bezeichnet der Budgetsprecher der Wiener Grünen Martin Margulies die geplante Tariferhöhung bei den Wiener Linien im Ausmaß von bis zu 15 Prozent. Auch der Grüne befürchtet, dass dies erst der Anfang einer Teuerungswelle sein werde, die weder vor Müll- und Abwassergebühren noch vor Bädergebühren Halt machen werde.

"Höchste Arbeitslosenrate, höchste Inflation, höchste Steuer-und Abgabenquote; statt hier sinnvoll gegenzusteuern, legt die Wiener SPÖ im Belastungsreigen der österreichischen Bundesregierung von ÖVP und FPÖ noch einmal nach", kritisiert Margulies. In Zeiten von Rezession und Reallohnverlusten sei diese hausgemachte Teuerungswelle den BürgerInnen gegenüber einfach unverantwortlich. Die Wiener Grünen lehnten diese Art der Politik ab.

Infos im Internet:

o Wien.at-RK-Berichte über die Landtagssitzung am 30.1. 2002 mit Tarifdebatte: www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink?SEITE=020020130010
o Wien.at-RK "Häupl zu Tariferhöhungen der Wiener Linien" vom 29.1. 2002
www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink?SEITE=020020129014
o www.wienerlinien.at/

(Schluss) hrs

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