"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ein Bayer in Tirol (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 11. 2. 2002

Innsbruck (OTS) - Wäre Edmund Stoiber anstatt Gerhard Schröder im Feber 2000 deutscher Bundeskanzler gewesen, hätte es die Sanktionen der EU gegen Österreich nie gegeben. Das unterstrich der bayerische Ministerpräsident und CDU/CSU Kanzlerkandidat gestern bei seinem Besuch im Zillertal erneut mit klaren Worten.

Stoiber überzeugte bei seiner Visite durch Sachkompetenz und demonstrierte ein Mal mehr seine große Verbundenheit mit Österreich und Tirol. Gerade hierzulande wäre es daher höchste Zeit, den Blick viel stärker in Richtung Bayern zu richten. Während viele noch immer von einer Landeseinheit zwischen Nord- und Südtirol träumen, demonstrieren unsere nördlichen Nachbarn, wie sich ein Bundesland zu einer Wirtschaftsmacht von weltweiter Bedeutung entwickeln kann. Die Südtiroler haben dies übrigens längst erkannt und setzten daher deutlich stärker auf Bayern als auf als Tirol.

Wie groß der Unterschied ist, beweist das Beispiel Informationstechnologie, IT. Während in Tirol eigentlich niemand so genau weiß, was sich hinter diesem Begriff verbirgt, kreierte Stoiber mit Martinsried das fünfgrößte Zentrum für Biotechnologie in Europa. Bayern ist als Standort für Zukunftstechnologien derart attraktiv, dass der weltweit größte Pharmakonzern GlaxoSmithKline wegen des "innovativen pharma-wissenschaftlichen Umfeldes" seine deutsche Zentrale von Hamburg nach München verlegte.

Kritiker werden jetzt einwerfen, dass Bayern gleich groß ist wie Österreich und daher mit Tirol nicht verglichen werden kann. Das mag durchaus stimmen, nur die Bewohner und die Strukturen der beiden Länder haben so viele Gemeinsamkeiten, dass es ganz einfach auf der Hand liegt, Bayern zumindest nachzueifern. Vielleicht kann es Tirol gerade im Hightech-Bereich gelingen, von Bayern zu lernen und dessen Partner zu werden. Edmund Stoiber ist für Gespräche mit seiner "zweiten Heimat Tirol" offen.

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