Grüner Loden oder grüner Star ?

Der Wolf hat wenig Überlebenschance in Österreich

Wien (OTS) - In der Nacht zum 24.Januar 2002 fiel in der Nähe von Bad Ischl, Oberösterreich, ein frei lebender Wolf einem Jäger zum Opfer. Der Waidmann bedauerte das "Missgeschick" und gab an, den Wildcaniden für einen streunenden Hund gehalten zu haben. Ein Missgeschick mit System, wie es scheint. Denn vor genau sechs Jahren war der bisher letzte wilde Wolf in Österreich aus "Verwechslung" getötet worden.

Der überwiegende Teil der ranghohen österreichischen Jäger gibt an, den Wolf, wenn er in unser Land zurückkehren sollte, willkommen zu heißen. Beim grünberockten "Fußvolk" scheint diese positive Gesinnung weit weniger verinnerlicht zu sein. Alte Ängste und Vorurteile vom Kinderschreck und Wilddieb werden wiederbelebt und am Stammtisch mit reichlich Jägerlatein verbrämt. Die Lust auf präparierten Wolf rückt den Hegegedanken weit in den Hintergrund. Für den vor über 100 Jahren in Österreichs freier Wildbahn ausgerotteten Canis lupus stehen die Zeichen schlecht.

Am 30.Januar 1996 wurde ein vermutlich aus Bayern zugewanderter 46 kg schwerer Wolfsrüde, mit einer Schulterhöhe von 75 cm, bei Niederkappel, Bezirk Rohrbach, OÖ, von einem Waidmann kurz vor Mitternacht erlegt. Begründung des Schützen: Verwechslung mit einem Fuchs (!) Fast auf den Tag genau sechs Jahre danach dasselbe Szenario. Wieder gab der Jäger schlechte Sichtverhältnisse an. Wieder soll es eine Verwechslung gewesen sein; diesmal allerdings mit einem wildernden Hund. Damals wie heute bedauerten die Schützen den Vorfall, was als bloße Schutzbehauptung zu werten ist.

Mag. Alexander Willer, Tierrechtsverein CANIS: "Bei Waldspaziergängen könnte einem Angst und Bang werden, allerdings nicht vor den scheuen, intelligenten Wölfen, die vereinzelt wieder zurück nach Österreich finden, sondern vor einer offensichtlich schlecht ausgebildeten Jägerschaft, die Wölfe mit Füchsen oder Hunden verwechselt. Polemisch formuliert: liegt es am grünen Loden oder am grünen Star, dem einzigen "Tier", das offensichtlich vor Schüssen verschont bleibt?"

Daß die Wölfe nach Österreich zurückkehren werden, ist nicht eine Frage des ob, sondern des wann. Ihre Dichte nimmt in vielen Nachbarstaaten - wie etwa Slowenien - zu. Seit Jahren versucht der Tierrechtsverein CANIS durch Aufklärungsarbeit in Schulen und bei Vorträgen, das Klischee vom "Bösen Wolf" abzubauen. Dazu Mag. Willer:
"Wolf und Mensch können durchaus miteinander leben. Eine Invasion dieser Tiere steht nicht zu befürchten, zumal nur so viele Wölfe einwandern, so groß das Nahrungsangebot ist. Hier kommt ein natürliches Regulativ zum Tragen. Als Maßnahme zu einem reibungslosen Miteinander ist in erster Linie der Einsatz von Herdenschutzhunden zu empfehlen. Natürlich helfen auch Monitoring mittels Sendehalsbändern und simple Elektrozäune."

Am wichtigsten bleibt allerdings die Sensibilisierung der Öffentlichkeit. Der Wolf ist in 8 der 9 Bundesländer entweder durch Jagd- oder Naturschutzgesetz ganzjährig geschützt. Hinzu zählt er zu einer "streng zu schützenden Tierart von gemeinschaftlichem Interesse" (EU-Naturschutz-Richtlinie 92/43/EWG). Doch solange die Jägerschaft eigene Gesetze aufstellt und ihresgleichen nur nach diesen judiziert, bleiben die Schutzdokumente bloße Makulatur. Wo anders sonst im öffentlichen Leben gibt es eine Lobby, die gewissermaßen eine eigene Gerichtsbarkeit für sich beansprucht. Jagdgesetze sind von Jägern für Jäger gemacht. Die Bevölkerungsmehrheit und erst recht die Tiere bleiben dabei außen vor.
Die Alternative: ein Bundestierschutzgesetz, das die Jagdgesetze ablöst.

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Tierrechtsverein CANIS
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