"profil": ORF-Infodirektor Draxler: FPÖ wollte Seledec "prominent platzieren"

ORF-Informationsdirektor Gerhard Draxler sieht sich wegen sogenanntem "Selbstinterview" Haiders zum "blauen Taliban" gemacht -betont Freundschaft mit Jörg Haider - will ZiB3 auf Kosten und Quoten überprüfen

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" nimmt der neugewählte ORF-Informationsdirektor Gerhard Draxler zu den politischen Pressionen auf den ORF Stellung. Über das Avancement von Walter Seledec zum Zentralen Chefredakteur sagt Draxler, die FPÖ habe "sich gewünscht, den Herrn Seldedec möglichst prominent zu platzieren. Die denken sich: da gibt es jemanden, der seit vielen Jahren zu uns steht und der jetzt von Printjournalisten ununterbrochen vernadert wird. Warum soll jemand, der das durchgemacht hat, nicht was werden?" Seledec werde aber aber "sicher nicht, an mir vorbei, in die Redaktionen hineinwirken". Sonst wäre er, Draxler, ja "eine Geisel dieses Zentral-Chefredakteurs oder eine Marionette". Draxler werde "jedenfalls alles tun, um Herrn Seledec auch journalistisch zu beschäftigen".

Draxler würde sich selbst als "Liberalen" bezeichnen, der wegen des "angeblichen Selbstinterview Jörg Haiders in New York zum blauen Taliban gemacht worden" sei. Draxler steht zu seiner Freundschaft mit dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider. Der ORF-Informationsdirektor zu "profil": "Unsere Regel lautete, wenn er was will, muss er bei mir persönlich anrufen. Interveniert hat er nie."

Seine ihm nachgesagte Schwäche, es allen recht machen zu wollen, beantwortet Draxler so: "Selbst wenn bei mir die Interventionen durchgehen würden, wie das Messer durch die Butter, gibt es die Redaktion, das Redakteursstatut und das Rundfunkgesetz".

In der ZiB1 will Draxler in den vergangenen Wochen einen Hang zur "HiB" - Helden im Bild - beobachtet haben. Die ZiB3 werde in den nächsten Wochen auf Kostenstruktur und Zuschauerquoten geprüft, den Leiter der Diskussionssendung "Betrifft", Johannes Fischer, werde er "sicher nicht auf Zuruf" der Politiker entfernen. In einer schlankeren Führungstruktur der Nachrichtensendungen ZiB1 und ZiB2 werden die ZiB1-Redakteure Hans Bürger und Hanno Settele "eine wichtige Rolle" spielen.

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"profil"-Redaktion

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