Sprecher des Elektrohandels warnt vor vollständiger Liberalisierung

Krejcik: "Es droht stark erhöhte Zahl von Glücksrittern" -"Konsument hat das Nachsehen"

Wien (PWK101) "Die Forderung, den Zugang zum Handelsgewerbe vollständig zu liberalisieren, klingt fortschrittlich, weist jedoch bei näherer Überprüfung schwere Nachteile für den Konsumenten auf. Denn der österreichische Elektrohandel erbringt bedeutend mehr Leistungen als mit 'hier Geld - hier Ware' beschrieben werden kann", nimmt der Obmann des Bundesgremiums des Radio- und Elektrohandels, Wolfgang Krejcik, zur jüngsten Liberalisierungsdiskussion Stellung.

Wer wolle denn zum Beispiel ein teures Haushaltsgerät kaufen, ohne über dessen Eigenschaften verlässlich und kompetent informiert zu werden, ohne sichere Inbetriebnahme oder ohne Garantie, im Problemfall auch nach dem Kauf servicemäßig betreut zu werden, fragt Krejcik.
Natürlich gebe es eine steigende Anzahl gesetzlicher Vorschriften, die den Konsumenten schützen sollen. Doch durch oftmaligen, raffinierten Eigentümer- bzw. Geschäftsführerwechsel könne jede Haftung und Verantwortung leicht umgangen werden. Durch die kommende Osterweiterung werde die Zahl der möglichen Neugründungen, auch von in jeder Weise unqualifizierten Personen, explodieren, fürchtet Krejcik. Die Auswirkungen auf die Berufsausbildung seien vollkommen unklar.

Erfahrungsgemäß scheitere schon jetzt ein erheblicher Teil der Firmenneugründungen. Sollten nun überhaupt keine Kenntnisse mehr verlangt werden , werde sich diese Zahl gravierend erhöhen. Dies werde deutliche Spuren hinterlassen: in der Insolvenzstatistik, beim Staat wegen unbezahlter Abgaben und Steuern sowie beim Konsumenten, der Geld, Leistung und Gewährleistung verliert. Der oft angesprochene "mündige" Konsument werde nicht erkennen können, ob es sich bei seinem Geschäftspartner um ein seriöses Unternehmen handelt.

"Um unsere Branche von einer vermutlich stark erhöhten Zahl von Glücksrittern zu schützen, müssten wir wohl eine eigene, sehr teure Klassifizierung bzw. Zertifizierung einführen, die dem Konsumenten ein gewisses Maß an Sicherheit geben kann", stellt der Obmann fest. Im österreichischen Elektrohandel herrsche unbestritten seit Jahren schärfster Wettbewerb, der mit zu den tiefsten Preisen in Europa geführt hat. "Darum kommen wir sicher nicht in den Verdacht, durch überholtes Zunftdenken den Markt abschotten zu wollen oder zu können. Andererseits darf das begründete Vertrauen des Konsumenten in die Leistungsfähigkeit unserer Branche nicht durch unqualifizierte Marktteilnehmer zerstört werden. Die Zukunftsaussichten für den Elektrohandel als sehr konsumentenorientierte Branche scheinen in diesem Lichte höchst besorgniserregend", schließt Krecjik seine Stellungnahme. (hp)

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