WUA News zur Frage Blei im Trinkwasser

Bleirohre aus der Vorkriegszeit - Austauschprogramm der Wasserwerke läuft bis 2008

Wien, (OTS) Die Wiener Umweltanwaltschaft wird von BürgerInnen immer wieder über die Bleiproblematik im Trinkwasser gefragt. In der Februar-Ausgabe der Publikation WUA News, im Internet unter www.wien.at/wua/2002/n1_02.htm zu finden, bietet die Umweltanwaltschaft ausführliche Informationen darüber.

Blei im Trinkwasser ist auf altes Bleirohrmaterial bei Hausanschlussleitungen zu den Häusern (bis zum Wasserzähler) und auf Hausinnenleitungen (Steig- und Wohnungsinnenleitungen), die fast ausschließlich in Vorkriegsbauten verlegt wurden, zurückzuführen. Bei später errichteten Gebäuden sind Bleileitungen fallweise noch als flexible "Bleischleife" beim Wasserzähler in Verwendung.

In diesen Fällen ist eine höhere Bleibelastung des Trinkwassers möglich, die den erlaubten Grenzwert für dessen Genuss übersteigen kann. Diese höhere Bleibelastung tritt allerdings hauptsächlich bei Stagnationswasser auf. Stagnationswasser ist eine Bezeichnung für Leitungswasser, das längere Zeit unbewegt in den Leitungen steht, wenn etwa über Nacht oder bei längerer Abwesenheit keine Wasserentnahme erfolgt.

Die Hausanschlussleitungen liegen im Verantwortungsbereich des Wasserversorgers, die Hausinnenleitungen in dem des Hauseigentümers. In Wien betreiben die Wasserwerke als Wasserversorger seit rund 20 Jahren ein Austauschprogramm der Hausanschlussleitungen, das bis 2008 abgeschlossen sein wird. Der Tausch bis zum Wasserzähler erfolgt auf Kosten der MA 31. Für den Tausch der Innenleitungen ist der/die HauseigentümerIn zuständig, allerdings existiert derzeit keine explizite gesetzliche Verpflichtung für solch einen Tausch. Eine Erneuerung sollte jedenfalls im Zuge von Wohnungsrenovierungen, Umbauten oder vor Neuvermietungen durchgeführt werden, da bei einem Tausch von alten Bleirohren im Wohnungsinnenbereich von den notwendigen Arbeiten zumindest meist Küche und Bad betroffen sind. So müssen oft Einbauküchen demontiert werden, die eine Neuverfließung von Bad und Küche notwendig machen.

In Gemeindebauten, die von "Wiener Wohnen" verwaltet werden, erfolgt der Leitungstausch im allgemeinen Teil des Hauses im Zuge von Renovierungsarbeiten (z.B. Stiegenhaus, Gang, Rohrbruch, etc.) und im Wohnungsbereich vor Neuvermietung der jeweiligen Wohnung.

Die MA 50 fördert den Austausch von alten Bleitrinkwasserrohren im Rahmen von Wohnungsverbesserungsdarlehen, wobei MieterInnen und EigentümerInnen anspruchsberechtigt sind.

Frei liegende Bleileitungen (z. B. beim Wasserzähler) sind einfach zu erkennen: Blei ist dunkelgrau, zeigt Lötnähte, ist weich und an Ritzstellen silbrig.

Werden nicht alle Leitungen getauscht (z. B. nur die Hauszuleitung), empfiehlt es sich, nach dem Tausch chemische Vorher-Nachheruntersuchungen durchzuführen. Die Messergebnisse zeigen, ob auch nach dem Leitungstausch noch überhöhte Bleibelastungen auftreten, die dann verbliebenen Bleileitungen (z. B. Innenleitungen) zuzuordnen wären.

Derzeit gilt gemäß der Trinkwasser-VO 2001 ein Grenzwert von 50 µg/l Blei im Trinkwasser. Sie sieht allerdings eine Grenzwertreduktion auf 25 µg/l mit 25. 12. 2003 und auf 10 µg/l mit 25. 12. 2013 vor.

Folgendes empfiehlt die Wiener Umweltanwaltschaft:

o Bei Vorhandensein von Bleileitungen vor der Wasserentnahme für Trinkzwecke sollte jedenfalls das Stagnationswasser abgelassen werden. Hierfür lässt man das Trinkwasser bis zum Erreichen einer stabilen kühlen Temperatur laufen. Im Allgemeinen reicht der Verbrauch von Wasser zur morgendlichen Körperpflege und Toilette aus, um das Stagnationswasser zu verbrauchen. Eine Bleibelastung des Trinkwassers ist danach jedenfalls unter dem derzeitigen Grenzwert von 50µg/l.
o Aus der Sicht einer entsprechenden Gesundheitsvorsorge und auch aus ökologischer Gesamtsicht ist es natürlich am sinnvollsten, dort wo es möglich ist, einen Tausch sämtlicher Bleileitungen vorzunehmen.
o Allgemein kann jedoch gesagt werden, dass sich die Gesamtbleibelastung im Körper (dies ist der wesentliche
Faktor!) in den letzten Jahren - vor allem seit dem Bleiverbot für Benzin - drastisch verringert hat.
o Vor Abschluss eines Mietvertrages ist es für den (die) MieterIn ratsam, vom (von der) VermieterIn Auskünfte über die Beschaffenheit der Trinkwasserleitungen einzuholen.
o Um Blei im Trinkwasser festzustellen, bietet das Institut für Umweltmedizin Bleianalysen für selbstüberbrachte Proben zum Preis von EUR 23,32 (ATS 321.-) an. Nähere Auskünfte zu Bleianalysen: ifum@15.magwien.gv.at.
(Schluss) hrs/wua

Rückfragehinweis:
DI Dr. Martin Kollar
Wiener Umweltanwaltschaft
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