DER STANDARD-Kommentar: "Kalte Fusion" (von Helmut Spudich)

Erscheinungstag 8.2.2002

Wien (OTS) - Wie interessant: Kaum ist der Strommarkt "liberalisiert", werden börsennotierte Unternehmen (der Verbund) an ihrer Eigenständigkeit gehindert. Das Patriotische muss bedient werden, eine "österreichische Lösung" muss her - wie österreichisch diese Lösung werden wird, können wir aus den Wortmeldungen erahnen. Die Kärntner (oder zumindest der Oberkärntner) wollen den Verbund aufkaufen, damit die Köpfe wie auch in anderen ehemals großkoalitionären staatsnahen Unternehmen rollen können. Die Salzburger möchten gern Konzernzentrale sein, egal ob von einer "Wasserkraftehe" oder einer "österreichischen Lösung". Der Westen hat sich, strommäßig, von Österreich ohnedies schon losgesagt.

Aber trotzdem interessant, der Bartensteinsche Vorschlag: Geht man seinen Weg zu Ende, kommt ein einziges Land am Austrostrom heraus, nachdem Netze, Vertrieb und Erzeugung fusioniert sind. Das klingt ein wenig, sagen wir es einmal vorsichtig, wie eine Art De-facto-Begrenzung der eben erst vollzogenen Liberalisierung der Märkte. Weg von den bisherigen regionalen Monopolen, hin zu einem nationalen Fast-Monopol, das könnte zumindest für Haushalte und kleine Betriebe die praktische Konsequenz dieser Fusion sein.

Denn wenn im Land ein bis zur letzten Steckdose reichender einziger Konzern als Erzeuger wie Anbieter auftritt, wird das Interesse allfälliger Konkurrenten an diesem Marktsegment begrenzt sein. Gegen einen solchen Platzhirsch, der noch mächtiger als die jetzigen Regionalhirsche wäre, würde kaum ein "Ausländer" antreten; die Konkurrenz wird sich auf den lukrativen Markt mit Großunternehmen begrenzen, die in Österreich dünn gesät sind. Ob es das ist, worauf der Liberalisierungsminister hinauswill?

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