Rieder fordert Rücktritt von Arbeitsminister Bartenstein

Nach Nein zu gemeinsamem Projekt startet Wien trotzdem zusätzliches Programm gegen Jugendarbeitslosigkeit

Wien, (OTS) "Ein Arbeitsminister, der den Vorschlag eines Bundeslandes, gemeinsam gegen Jugendarbeitslosigkeit vorzugehen, ohne triftige Begründung abschmettert, ist eigentlich rücktrittsreif", erklärte Wiens Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Dr. Sepp Rieder am Donnerstag zur diesbezüglichen Weigerung von Arbeitsminister Dr. Martin Bartenstein. "Bekanntlich hat die Stadt Wien dem Bund angeboten, die schon jetzt in Wien vorhandenen Mittel zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Höhe von 6,6 Millionen Euro zu verdoppeln, wenn sich das Arbeitsministerium mit 3,3 Millionen Euro an einem gemeinsamen Programm beteiligt hätte."

Argumentiert wurde die Ablehnung von Bartenstein und AMS Wien mit der Feststellung, dass in Wien "ohnehin schon alle notwendigen Maßnahmen getroffen worden seien", um gegen Jugendarbeitslosigkeit vorzugehen. Rieder: "Dies bedeutet offenkundig, dass rund 9000 Wiener Arbeitslose zwischen 15 und 25 kein Anlass sind, sich weiterführende Gedanken über deren Zukunft zu machen." Das bedeute, so Rieder, dass der Bund keinen einzigen Euro zusätzlich in Qualifizierungsmaßnahmen für junge Menschen investieren will, obwohl es Reserven aus der Arbeitslosenversicherung in Höhe von 109 Millionen Euro gebe, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber eingezahlt haben.

Trotzdem, so Rieder, habe sich Wien nun entschlossen, unter dem Titel "Start up - Qualifikation - Integration - Innovation" ein 3 Millionen Euro Programm für rund 1000 Betroffene - Arbeitslose und Berufstätige mit Qualifizierungsbedürfnissen - zu starten. Rieder:
"Hätte sich der Bund beteiligt, könnten wir 2000 junge Menschen ins Programm aufnehmen."****

Das Programm werde gemeinsam mit dem Wiener ArbeitnehmerInnenförderungsfonds und den Wiener Sozialpartnern, wie etwa der Arbeiterkammer und der Wirtschaftskammer Wien, durchgeführt werden.

Start Up - Qualifikation - Integration - Innovation

Erstmals seit 1998 ist 2001 die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich und auch in Wien wieder angestiegen. Im Jänner 2002 waren in Wien insgesamt 9.117 junge Menschen zwischen 15 und unter 25 Jahren arbeitslos. Besonders unerfreulich ist dabei die Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei der Altersgruppe der 19 bis 25jährigen. Im Jänner 2002 waren 7.873 Personen dieser Altersgruppe arbeitslos. Im Vergleich zum Jänner des Vorjahres entspricht dies einer Steigerung um beinahe 33%!

Die Stadt Wien bzw. der WAFF haben frühzeitig auf diese negative Entwicklung reagiert. Auf Initiative von Vizebürgermeister Rieder wurde bereits bei der Kuratoriumssitzung des WAFF am 6. November 2001 ein Beschluss gefasst, die nicht verplanten Mittel des WAFF (30 Mio. ATS/2,18 Mio. EUR ) für Maßnahmen zugunsten arbeitsloser Jugendlicher einzusetzen.

Konkret beteiligt sich der WAFF an der Finanzierung der Maßnahmen auf Grundlage des Jugendausbildungssicherungsgesetzes mit 1,09 Mio. Euro (15 Mio. ATS). Zusätzlich wurde mit dem Arbeitsmarktservice ein Sonderprogramm zugunsten der Zielgruppe der 19 bis 25 jährigen abgestimmt. Das AMS stellt für diesen Schwerpunkt zusätzlich rund 2,1 Mio. Euro (29 Mio. ATS) zur Verfügung.

Vor dem Hintergrund der weiter steigenden Jugendarbeitslosigkeit wird der WAFF nun einen weiteren Schwerpunkt zugunsten der Zielgruppe Jugendlicher setzen. "Start Up" ist nicht nur ein zusätzliches Programm für junge Menschen. "Start Up" ist das Gegenmodell zu einer Politik des sturen Nulldefizits.

3 Mio. EUR für junge Menschen und deren berufliche Chancen am Wiener Arbeitsmarkt!

Mit "Start Up", geht die Stadt Wien in drei Richtungen:

o Start Up Qualifikation: 1 Mio. Euro (13,76 Mio. ATS) für die individuelle berufliche Weiterbildung junger Menschen;
o Start Up Integration: 1 Mio. Euro für die Unterstützung Wiener Unternehmen, die junge Arbeitslose qualifizieren und beschäftigen wollen;
o Start Up Innovation: 1 Mio. Euro für innovative Modellprojekte.

Im Mittelpunkt steht die Zielgruppe der 19 bis 25jährigen arbeitslosen Menschen. "Start up" soll rund 1000 Menschen zu Gute kommen.

"Start up" - Qualifikation

Für die individuelle Weiterbildung vor allem arbeitsloser junger Menschen wird der WAFF 2002 ein spezielles Weiterbildungskonto einrichten. Das Konto wird mit 1 Mio. Euro dotiert. Je Jugendlichen stehen bis zu 2000 Euro (27.520 ATS) zur Verfügung. Neben Arbeitslosen soll das Bildungskonto auch für junge Beschäftigte mit geringer Formalqualifikation (z.B. Pflichtschulabschluss) offen sein.

Ein Kostenbeitrag für arbeitslose Personen ist grundsätzlich nicht vorgesehen; für Beschäftigte ist von einer Kostenbeteiligung in geringer Höhe (maximal 20 %) auszugehen.

Ein besonders wichtiges Element dieser Initiative wird die Unterstützung und Beratung der Jugendlichen bei der Wahl ihrer Weiterbildungsmaßnahmen sein: "Wo kann und soll ich meine Qualifikation verbessern? Was fragen die Unternehmen nach? "Was bringt mich beruflich weiter?" Der WAFF wird dazu bewährte Wiener Bildungseinrichtungen einladen, an einem speziellen Bildungsberatungsangebot für Jugendliche mitzutun.

"Start Up" - Integration

Im Rahmen des zweiten Schwerpunktes von "Start Up" nutzt der WAFF ein innovatives Modell der Arbeitsstiftungen zur Unterstützung von Unternehmen, die speziell qualifizierte Arbeitskräfte benötigen. Im Mittelpunkt stehen maßgeschneiderte Personalrekrutierungs- und Personalqualifizierungsmaßnahmen für Unternehmen und arbeitslose Personen. Dieses Modell (Cluster Support Programm) hat sich bereits in der Praxis bewährt und wird für die Zielgruppe der 19 bis 25jährigen Arbeitslosengeldbezieher speziell angepasst.

Die TeilnehmerInnen an diesem Programm erhalten ihre Ausbildung durch die Partnerunternehmen finanziert. Die auszubildenden Personen bleiben während der Ausbildung im Unternehmen arbeitslos, erhalten aber in dieser Zeit ein zusätzliches Stipendium zum Arbeitslosengeld. Nach erfolgreicher Beendigung der Aus- oder Weiterbildung werden die TeilnehmerInnen vom Unternehmen übernommen. Die Unternehmen werden bei der Personalauswahl vom WAFF unterstützt und erhalten vom WAFF einen Zuschuss zu den externen Schulungskosten.

Dieses Modell wird im Hinblick auf die Förderbedingungen speziell an die Zielsetzungen von "Start Up" angepasst. Vor allem sollen aber bei der Bewerbung des Programms neue Wege beschritten werden: Im Sinne der Idee der "pink slip parties" sollen spezielle regionale oder branchenspezifische Events für Unternehmen und jugendliche Arbeitssuchende stattfinden. Auch für diesen Schwerpunkt stehen 1 Mio. EUR zur Verfügung.

"Start Up" - Innovation

Der ebenfalls mit 1 Mio. Euro dotierte dritte Schwerpunkt ist auf die Entwicklung und Umsetzung innovativer Modellprojekte für die Beschäftigung sowie die berufliche Aus- und Weiterbildung junger ArbeitnehmerInnen ausgerichtet. Im Rahmen dieses Schwerpunktes sollen durchaus unkonventionelle und experimentelle Projekte die Möglichkeit zur Realisierung finden.

Gemeinsam mit ExpertInnen werden Kriterien ausgearbeitet, die für die zukünftige Vergabe von Förderungen relevant sind.

"Start Up" - Kooperation

Auch wenn dafür kein eigener Schwerpunkt vorgesehen ist, hat für die erfolgreiche Realisierung des neuen Programms die Zusammenarbeit des WAFF mit den Wiener Sozialpartnern, Weiterbildungsträgern, lokalen Jugendinitiativen und Ausbildungsprojekten entscheidende Bedeutung. "Start Up" ist mehr als ein Sonderprogramm für Jugendliche, "Start Up" ist ein wichtiger Teil der Mission des WAFF:
Neue Chancen für ArbeitnehmerInnen.

Weitere Informationen:

o Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds:
www.waff.at/waff/htm/index_ie.htm

(Schluss) nk

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