"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Kampf ums Wasser (Von Alois Vahrner)

Ausgabe vom 7. 2. 2002

Innsbruck (OTS) - Jahrelang haben Bundes- und Landespolitiker in Sonntagsreden eine "österreichische Stromlösung", sprich den Zusammenschluss möglichst vieler heimischer Energieversorger, gepredigt. Wie diese Lösung freilich auszuschauen hätte, ist bis heute nicht restlos geklärt. Das Ergebnis kam zumindest bisher einer schwarz-rot-blauen Bankrotterklärung der österreichischen Energiepolitik mit ihrem angeblichen Kampf gegen Atomenergie gleich.

Bei der steirischen Estag kaufte sich ausgerechnet Europas Atomstromproduzent Nummer 1, die EdF, ein. Trotz österreichischer Mitbieter. In Kärnten gab die Landesregierung unter Energie-Robin-Hood Jörg Haider nicht dem Verbund den Zuschlag, sondern der deutschen RWE. Auch diese produziert Atomstrom zuhauf. Schließlich applaudierte die Bundesregierung noch vor einem halben Jahr den Plänen, mit dem deutschen Energieriesen E.ON den größten europäischen Wasserkraftproduzenten zu basteln.

Urplötzlich scheinen die verantwortlichen Politiker jetzt doch noch die Notbremse gegen den scheibchenweisen Abverkauf der heimischen Energiewirtschaft zu ziehen. Das Atomstromargument hat offenbar zu wenig gezogen. Dieser fließt durch den internationalen Stromhandel ohnehin seit Jahr und Tag durchs österreichische Stromnetz. Das neue Zauberwort, das die Politiker elektrisiert, heißt drohender Ausverkauf des Wassers. Es geht nicht mehr um die vor dem EU-Beitritt losgetretene Diskussion um eine angebliche geplante Wasserableitung aus den Alpen nach Südeuropa. Im Sinne einer halbwegs sachlichen Diskussion sollte dabei zwischen Wasserkraft (Stromgewinnung aus Wasser) und dem echten Zugriff auf die Wasserreserven unterschieden werden.

Eines haben beide Komplexe aber gemeinsam: Wenn die Politik nicht entschieden handelt, dann wird das Sagen sowohl über die Wasserkraft als auch das Wasser selbst schon bald nicht mehr im Inland liegen.

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