ÖGB: Studiengebühren nicht freigeben, sondern abschaffen

Für offenen Bildungszugang anstatt Weg in die Zwei-Klassen-Gesellschaft

Wien (ÖGB). Der ÖGB erteilt einer Freigabe der Studiengebühren, wie von Wirtschaftskammerpräsident Leitl vorgeschlagen, eine klare Absage. "Das wäre ein weiterer Schritt in die Zwei-Klassen-Gesellschaft. Wir fordern die Abschaffung der unsozialen Gebühren und den freien Zugang zur Bildung ohne soziale Barrieren", sagt ÖGB-Vizepräsidentin Renate Csörgits.++++

Zynisch findet die ÖGB-Vizepräsidentin die Aussage des WKÖ-Präsidenten, Studiengebühren seien ein Prüfstein für die Ernsthaftigkeit, mit der das Studium betrieben würde. "Jenen, deren Eltern reichlich Geld haben, tun die Gebühren nicht weh. Sie werden auch weiterhin so schnell oder langsam studieren, wie sie wollen", so Csörgits. Jene dagegen, deren Eltern nicht so betucht seien, würden sich bei einer Freigabe der Gebühren noch stärker zwischen zwei Wegen entscheiden müssen: Den "Hut" draufhauen und das Studieren bleiben lassen oder die Doppelbelastung von Studium und Job auf sich nehmen.

Schon jetzt seien zwei Drittel der Studierenden in irgendeiner Form neben dem Studium berufstätig, weist die ÖGB-Vizepräsidentin auf die aktuelle Situation hin. "Werden die Gebühren noch teurer, müssen die Studierenden aus ärmeren Familien noch mehr arbeiten. Es ist nur logisch, dass dann das Studium noch länger dauert, anstatt - wie von Leitl anvisiert - rascher abgeschlossen wird", erläutert Csörgits und weiter: "Auch wir sind für eine Verkürzung der Studienzeiten. Dafür sind allerdings andere Maßnahmen als Studiengebühren nötig: ein offener Bildungszugang und eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für alle Studierenden", so Csörgits abschließend. (mfr)

ÖGB, 6. Feber 2002 Nr. 118

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