ÖGJ: Knapp 10.000 Jugendliche suchen nach einer Lehrstelle

Maringer: "Bartensteins Milchmädchenrechnung von 1.303 fehlenden Lehrstellen geht nicht auf

Wien (ÖGJ). "Auch nach einem Anstieg von 20,8 Prozent wird die Jugendarbeitslosigkeit noch immer bagatellisiert. Kein Grund zur Besorgnis, nimmt doch, so Minister Bartenstein, Österreich bei der Jugendarbeitslosigkeit im EU-Durchschnitt eine verhältnismäßig gute Position ein", erklärt Albert Maringer, Bundesvorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ). Und das Rezept zur Sorglosigkeit ist einfach: Man nehme die offiziell als lehrstellensuchend Gemeldeten, verheimliche alle jugendlichen ArbeitslosengeldbezieherInnen, Jugendliche in kurzfristigen Kursen und Schulungen sowie jene Jugendlichen die sich noch in einem Auffangnetz befinden aber weiterhin ein Lehrstelle suchen und zieht die als offen gemeldeten Lehrstellen ab: Voila": Alle Lehrstellenprobleme gelöst! "Die Realität sieht leider anders aus:
Ende 2001 gab es nicht nur 1.673 jugendliche ArbeitslosengeldbezieherInnen und 2.266 Jugendliche in kurzfristigen Kursen wie Berufsorientierung, sondern auch noch 1.679 Jugendliche in Auffangnetzen. Insgesamt bedeutet dies eine Zahl von knapp 10.000 Lehrstellensuchenden", so Maringer.

Besonders zynisch, so Maringer, sei jedoch der Dank des Wirtschaftsministers an die Betriebe wegen ihrer Ausbildungsbereitschaft. "Geht man von Oberrösterreich als bedeutender Lehrlingsausbildner aus, kann ich diesen Dank leider nicht nachvollziehen. In Oberösterreich gab es per Jahresbeginn 2002 9.657 Lehrbetriebe, was gegenüber dem Vorjahr eine Verringerung von 245 Lehrbetrieben bedeutet. Ein Trend, der nicht nur Oberösterreich betrifft. Der Dank scheint mir also etwas unangebracht zu sein", so der Bundesvorsitzende.

Worauf die ÖGJ noch immer warte, so Maringer, ist Bartensteins Versprechen, dass jeder Jugendliche eine Ausbildungsplatz bekäme. "Jetzt können wir uns ansehen, was das Wort eines Ministers wert ist. Die Zahl der Lehrstellensuchenden ist weiter angestiegen, wogegen offene Lehrstellen Mangelware sind. Auch die aufgestockten 15,61 Mio. Euro (214,8 Millionen Schilling) im Rahmen des JASG für Lehrgangsplätze sind, wenn man sich die tatsächlichen Zahlen vor Augen führt, nichts weiter als ein Tropfen auf den heißen Stein, das weiß auch Minister Bartenstein. Dazu kommt, dass Lehrgänge nicht auf nachfolgende Ausbildungen angerechnet werden und sie im Gegenzug zu Stiftungen nicht mehr als eine kurzfristige Maßnahme darstellen können."

Es ist gut und recht über mittel- und langfristige Maßnahmen zu einer Verbesserung der Lehrlingsausbildung nachzudenken, so Maringer. "Doch den knapp 10.000 lehrstellensuchenden Jugendlichen hilft es leider sehr wenig weiter, darüber nachzudenken, wie wichtig eine zweite lebende Fremdsprache oder Rhetorik in der Lehrausbildung wäre. Alles was sie wollen ist ein Ausbildungsplatz. Deshalb ist es höchst an der Zeit, endlich den lange geforderten Jugendbeschäftigungsgipfel einzuberufen und finanzielle Mittel für ein ausreichendes und qualitatives Auffangnetz zur Verfügung zu stellen", fordert Maringer. Was Österreichs Jugendliche bis jetzt von der Wenderegierung bekommen haben, sei nichts als Verschlechterungen, ob es nun die Ausweitung der Probezeit, die Verkürzung der Behaltefrist, Nachtarbeit im Gastgewerbe oder Studiengebühren sind. "Eine Änderung der Politik dieser Regierung ist dringenst nötig. Sollte die nicht passieren, sehe ich schwarz für die Zukunft der Jugendlichen in unserem Land."

ÖGB, 5. Feber 2002
Nr. 110

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