FP-Madejski: Denkmalschutz, Schutzzonen und Weltkulturerbe im Würgegriff diverser Planungsverantwortlicher der Stadt Wien!

Wien, 05-02-2002 (fpd) - Vor dem Hintergrund der Bedeutung Wiens als Kultur-Weltstadt äußerte heute LAbg. GR Dr. Herbert Madejski herbe Kritik an der derzeitigen Form der Stadtplanung im Wiener Stadtzentrum.
Das heute stattfindende Widmungsvorbereitungsgespräch der MA 21 bezüglich zweier 2-3 stöckiger "Verwaltungshäuser" im Lichtensteinpark am Alsergrund war dabei eine der Schwerpunkte der Kritik des freiheitlichen Planungs- und Verkehrssprechers.
Nachdem der Dachbodenausbau des Palais Lichtenstein behördlich untersagt wurde, sollen nun zwei Neubauten mitten in der Schutzzone befindlichen Parkanlage errichtet werden.
Der Lichtensteinpark, der sich am Rande der Pufferzone des von der "United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization" definierten Weltkulturerbes befindet, würde durch diese Maßnahmen nicht nur im Westen und Osten verbaut werden, auch das Ensemble des Parks, der Schutzzone ist, ist durch diese Baumaßnahme ernsthaft gefährdet.

Der Wiener Stephansplatz wird durch eine geplante Hausaufstockung ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen

GR Dr. Herbert Madejski berichtete während des heutigen Pressegesprächs weiters über ein geplantes Aufstockungsprojekt am Stephansplatz. Das Haus Nummer 10 und 11 am Stephansplatz soll nach Aussage eines Mitglieds des Fachbeirats auf die Höhe des Haas-Hauses aufgestockt und mit einer neuen, glatten Fassade versehen werden. Madejski stellte fest, daß die Rekonstruktion des Vorkriegshauses und der Stuckfassade in diesem Stadtteil Wiens jedenfalls wünschenswert und sinnvoll gewesen wäre.
Durch den nunmehrigen Plan des Wiener Architekten Hollein und die daraus resultierende Bauklasseüberschreitung wird der Wiener Stephansplatz zunehmend zu einer weiteren Spielwiese für die "Verplanungen" des Wiener Planungsstadtrates Rudolf Schicker. Nachdem seine Hochhausgelüste durch die UNESCO bereits beim Projekt Wien-Mitte schwer kritisiert wurden, versucht er nunmehr durch weitere Ausstockungen und "Stadtentstellungsprojekte" die Klassifikation Wiens als Weltkulturerbe in Frage zu stellen.

Das Hotel Ambassador am Neuen Markt wurde überbaut!

Im Zuge des Um- und Ausbaus entstanden in den letzten drei Stockwerken des Hotels Ambassador am Neuen Markt in Wien Innere Stadt auf 1400 Quadratmetern Eigentumswohnungen.
Interessanterweise wurde von der Überschreitung der Aufstockung die Baupolizei erst viel zu spät informiert und nunmehr stellt sich berechtigterweise die Frage wie nun die Verantwortlichen der Stadt mit diesem Umstand umgehen werden.
Wenn man bedenkt, so Madejski, daß der Wiener Baumeister Richard Lugner bei seiner Lugner-City seinerzeit um 1,7 Meter (!)zu hoch gebaut habe und ein Stockwerk im nachhinein abreißen mußte, so werden wir nunmehr ganz gespannt darauf warten, was beim Hotel Ambassador in dieser Richtung passieren wird. Das Abweichen von den gültigen Bebauungsplänen sei nur vorstellbar, wenn dem Bauherrn vorher eine Zusage von seiten der Stadtverwaltung gemacht worden ist, den Flächenwidmungsplan nachträglich zu ändern, so die Vermutung von Madejski.

Neue Kandelaber für den Schwarzenbergplatz!

Das Projekt des Architekten Arribas für den Umbau des Schwarzenbergplatzes wird den Ansprüchen des historischen Ambientes in keiner Weise gerecht. Die am Schwarzenbergplatz befindlichen 16 historischen Laternen sollen nach den Plänen des Architekten entfernt und durch 28 neue zylindrische Pfähle mit 12 Meter Höhe und 30 Zentimeter Durchmesser ersetzt werden! Die gesamte Platzgestaltung, die ursprünglich als Rahmenarchitektur für das Schwarzenberg-Denkmal geschaffen wurde, würde durch die Installation dieser plumpen Laternen-Pfähle zerstört werden.
Anstatt die historischen Kandelaber zu restaurieren, technisch zu erneuern und weiter zu betreiben, findet auch in diesem Bereich ein neuerlicher Anschlag auf die Geschmacksnerven der Wienerinnen und Wiener statt.
Der Wiener Schwarzenbergplatz ist sicherlich ein Ort in Wien, an dem Modernität gefragt sein muß - vor allem was die Fahrbahnsanierung und auch das sonstige Verkehrsgeschehen betrifft. Mit Sicherheit jedoch nicht an jenen Stellen, an denen die historisch gewachsenen Eckpfeiler der Wiener Kultur und der Stadtbildpflege in ihrer ureigensten Identität getroffen werde, so Madejski.

Die Stadt Wien versucht das Bundesdenkmalamt zu umgehen!

Als einen der größten Anschläge gegen die öffentlichen Interessen der Wienerinnen und Wiener bezeichnete Madejski heute die geplante Änderung zum Denkmalschutzgesetz. Derzeit sind sämtliche öffentliche Gebäude durch den § 2 des Denkmalschutzgesetztes vor größeren Eingriffen und Umbauten geschützt. Das letzte Wort in dieser Frage hat demnach das Bundesdenkmalamt.
Nunmehr ist geplant, die öffentlichen Bauten, die im § 2 geschützt erscheinen und sich nicht in Schutzzonen befinden zum Teil formlos aus dem Denkmalschutz zu entlassen.

Durch diese Änderung würden nicht nur eine beachtliche Menge Wiener Gemeindebauten - vor allem die städtischen Reihenhaussiedlungen - und Amtshäuser aus der geschützten Regelung fallen, die Stadt Wien könnte in diesem Fall mit einer finanziellen Aufwertung der betreffenden Objekte in unschätzbarer Höhe rechnen.
Damit, so Madejski, wäre nicht nur der Objektspekulation sondern wäre im Fall der Objektveräußerungen durch die Gemeinde Wien auch der Mietenpreistreiberei Tür und Tor geöffnet. Allein im Jahr 1999 wurden in Wien 22 Gemeindehäuser um rund 8 Millionen € verkauft und wie den Medien der letzten Wochen zu entnehmen ist, plant der Wiener Wohnbaustadtrat Faymann nunmehr den weiteren Verkauf von rund 40.000 Wohnungen und von einigen öffentlichen Gebäuden, wie z.B. Amtshäuser.

Sollte die Gesetzesänderung und die Veräußerung der Gemeindewohnungen zeitlich konform gehen, so würde sich die Stadt Wien damit ein beachtliches "Körbergeld" schaffen, so Madejski abschließend.(Schluß) jen

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