Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Die neue Globalisierung

Ausgabe vom 5. Febr. 2002 Klagenfurt (OTS) - Die neue Globalisierung - Das Weltwirtschaftsforum in New York und die Gegenveranstaltung, das Weltsozialforum in Porto Alegre, sind von ihren Ergebnissen und Gundaussagen her fast schon zu austauschbaren Formen geworden. Beide formulierten in prägnanter Schärfe das Scheitern des derzeitigen Globalisierungsmodells als ungerecht und buchstäblich mörderisch. Der Unterschied: In Brasilien wurde die soziale, in New York die ethische Globalisierung gefordert. Selbst der reichste Mann der Welt, der Globalisierungsgewinnler ad personam, Bill Gates, rief zur Wahrnehmung der Verantwortung, zur tatsächlich effektiven Hilfe für die Armen auf. Was die Ökonomen in New York und die Sozialbewegten in Brasilien eint, ist das mittlerweile globalisierte Unbehagen an einem alles verschlingenden Kapitalismus. Und es ist die wachsende Einsicht darein, dass eine ausschließlich dem Kapital überantwortete Globalisierung nicht das Gemeinwohl globalisiert, sondern den Terror. Es geht nicht darum, gegen die Globalisierung zur wettern. Es geht darum, die Globalisierung unter soziale und/oder ethische Vorzeichen zu stellen. Nur, was dies im Einzelnen bedeutet, bleibt unklar. Denn sozial und ethisch können, müssen aber nicht, gleichsetzbare Begriffe sein. Wenn Bill Gates von ethisch verantworteter Globalisierung spricht, dann will er wohl den Armen helfen, aber nicht unbedingt die Struktur der Welt verändern. Doch wenn in Porto Alegre von sozialer Globalisierung die Rede ist, dann geht es nicht um das fehlende Stück Brot in der Dritten Welt, sondern um die strukturelle Änderung der Ersten.

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
E-Mail: ktzredaktion@apanet.at

Kärntner Tageszeitung

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI/KTI