"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Geht’s uns heute besser?

Ausgabe vom 03.02.2002

Greift man zu Champagner? Zu Sekt? Oder gibt man sich - mit wagem Schielen auf die nächste Wahl volkstümlich urig und prostet sich zum zweiten Jahrestag der Wende mit einem bodenständigen G"spritzten zu? Oder lässt sich die Schmach der Erinnerung, die von unterirdischen Schleichwegen, Polizeischutz und strafenden Präsidentenblicken erzählt, doch leichter mit dem kühlen Blonden runterschlucken?

Wobei Schmach ein Wort ist, das die Regierung ohnehin nicht kennt:
Mir san mir - hat sie von Anfang an klar und sich über alles gestellt. Mit Selbstbewusstsein im Übermaß steckte sie drei ministerielle Flops (die jedem Fettnäpfchen spotten) nicht einmal mit einem Achselzucker weg, ignorierte Sanktionen, Ermahnung und EU-Rügen, schwindelte sich an peinlich fehlerhaften Gesetzesnovellen vorbei und lächelte jeden Koalitionskrach in Grund und Boden. Den Tapferen gehört die Welt.

Den Tapferen - und Schnellen. Womit der zweite Bonusbereich der Wendezeit zum Tragen kommt: Das "spaßige" speed kills hat vollmundig zugeschlagen. Vor allem als es hieß, das Nulldefizit zum hehren Ziel zu erklären. "Auf Teufel komm raus" hat man da eine einnahmeseitige Reform nach der anderen erfunden, hat den Bürger zur Kasse gebeten -und dabei mit einem Glanzstück gepunktet, das zuvor noch keiner Regierung gelang: Zwei Jahre lang hat Österreich brav gezahlt. Hat nicht gemotschgert. Nein. Es hat einen Kniefall hingelegt für die mystische Null. "Weil"s uns dann ja besser geht", hat die Regierung gesagt. Geht’s uns besser...?

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