"profil": Fischler kritisiert Grasser

Erweiterung nicht zum Nulltarif - Warnung vor Verzögerung

WIEN (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" kritisiert EU-Kommissar Franz Fischler Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der die Kosten der EU-Erweiterung für Österreich als zu hoch bezeichnet hat. Fischler:
"Wer glaubt, dass man die Erweiterung zum Nulltarif haben kann, stellt sich gegen die Erweiterung."

Der Beitrag Österreichs mit 200 Millionen Euro pro Jahr sei "relativ bescheiden". Auch Grassers Kritik an der gemeinsamen EU-Agrarpolitik weist der Kommissar zurück. Fischler: "Herr Grasser scheint in der Vergangenheit zu leben, wenn er von Milch- und Butterbergen spricht. Die haben wir längst wegreformiert." Für die Forderung Grassers, noch vor der Aufnahme neuer Mitglieder die Debatte über die künftige Finanzierung der EU nach dem Jahr 2006 zu eröffnen, kann der EU-Kommissar keinerlei Verständnis aufbringen. Fischler: "Wer eine Verbindung zwischen Agrarreform und Erweiterung herstellt, sollte dann auch klar sagen, dass damit die Erweiterung verzögert würde." Er gehe davon aus, dass der Fahrplan, der erste Beitritte ab 2004 vorsieht, weiterhin gültig sei.

Fischler beklagt im "profil"-Interview, dass Österreich bei der EU-Erweiterung keine führende Rolle mehr spielt: "Österreich spielt sicher nicht jene Rolle, die wir uns eine Zeit lang selber zuzuordnen versuchten, nämlich ein Sprecher der Kandidatenländer zu sein."

Fischler spricht sich ferner dagegen aus, die Benes-Dekrete mit dem Beitritt Tschechiens in die EU zu verknüpfen: "Es würde aber Tschechien gut anstehen, einen Schlussstrich unter dieses leidvolle Kapitel zu ziehen."

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"profil"-Redaktion

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