Innenminister Dr. Ernst Strasser dankt dem Entminungsdienst

Jahresbericht 2001 liegt vor - rund 48.000 Kilogramm Kriegsrelikte geborten

Wien (OTS) - Wien (OTS) - Anlässlich der Vorlage des Leistungsberichtes des Entminungsdienstes für das Jahr 2001 durch dessen Leiter Ing. Willibald Berenda spricht Ressortchef Dr.Ernst Strasser den Bediensteten Dank und Anerkennung für die Bewältigung der gefährlichen Tätigkeit aus."Eine höchst gefährliche Aufgabe, die im Dienste der Sicherheit der Bevölkerung von jedem einzelnen Beamten mit höchster Präzision und zum Teil unter Gefährdung des eigenen Lebens geleistet wird. Diese Arbeit verdient unsere volle Anerkennung", so Strasser.

Mehr als 1000 Mal mussten die 16 Entminer im Jahre 2001 Österreichweit rund um die Uhr Gefahren beseitigen, damit es zu keinen Unfällen beim unsachgemäßen Hantieren mit der gefährlichen Kriegsaltlast kommt. Auch noch 56 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs gibt es Zufallsfunde von gefährlichen Relikten bei Baustellen und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Berenda weißt neuerlich darauf hin, dass aufgefundene Kriegsrelikte nicht
bewegt werden sollten, sondern bittet den Fund rasch der nächsten Polizei- oder Gendarmeriedienststelle anzuzeigen, damit die Experten des Entminungsdienstes Ihrer Aufgabe nachkommen können.

Jahresbericht des Entminungsdienstes 2 0 0 1:

Einsatz und Tätigkeit im Jahre 2001

Vom 1. Jänner bis 31. Dezember 2001 wurden dem Entminungsdienst von den zuständigen Stellen 1.079 Funde bzw. Wahrnehmungen vom sprengkräftigen Kriegsrelikten verschiedener Art und aller Gefährlichkeitsgrade mit der Aufforderung um rasche Bearbeitung übermittelt.

Zur Gewährung der Sicherheit der Bevölkerung und zur Erhaltung von Sachwerten von öffentlichen und privaten Einrichtungen mußte sprengkräftige Kriegsmunition im Gewicht von insgesamt 47.918 kg einzeln geborgen, untersucht und vernichtet werden.

Im Berichtsjahr waren zahlreiche schwierige Munitionsbergungen von Baustellen der Industrie, der öffentlichen und privaten Hand, von land- und forstwirtschaftlichen Nutzungsflächen, im Hochgebirge sowie aus Gewässern durchzuführen. Den hiebei auftretenden mannigfaltigen Anforderungen konnte der Entminungsdienst durch sorgfältiges, fachgerechtes und verantwortungsbewußtes Arbeiten in jeder Hinsicht entsprechen.

In der ausgewiesenen Gesamtmenge ist u.a. die besonders gefahrvolle Entschärfung und Beseitigung von 37 Bombenblindgängern verschiedener Art, Herkunft und Kaliber sowie die Beseitigung von
10 Übungsbomben enthalten.

In den einzelnen Bundesländern wurden folgende hochexplosive Munitionsmengen beseitigt:

Wien 1.067 kg
Niederösterreich 16.791 kg
Oberösterreich 2.729 kg
Burgenland 1.074 kg
Kärnten 21.794 kg
Salzburg 1.187 kg
T i r o l 659 kg
Steiermark 2.415 kg
Vorarlberg 202 kg

Die nachstehend angeführten sprengkräftigen Kriegsrelikte waren wegen ihres unsicheren Zünderzustandes besonders schwer zu beseitigen.

1 Fliegerbombenblindgänger a 500 kg
8 " a 250 kg
4 " a 70 kg
1 " a 20 kg
4 " a 15 kg
18 " a 10 kg
1 " a 2 kg
13 Granaten a 21 cm
100 Granaten a 15 cm
996 Granaten von 3,7 cm bis 12,8 cm
507 Wurfgranaten 5 cm bis 12 cm
329 Handgranaten
89 Panzerfäuste
19 Minen aller Art

Im Berichtsjahr war munitionsverdächtiges Gelände im Ausmaß von 51.370 m2 mit Oberflächensuchgeräten systematisch abzusuchen und zur Nutzung freizugeben.

Die gesäuberten Flächen gliedern sich nach Bundesländern wie folgt:

Wien 400 m2
Niederösterreich 39.520 m2
Oberösterreich 2.270 m2
Salzburg 30 m2
Steiermark 6.300 m2
Kärnten 2.000 m2
Tirol 850 m2

Bei der Beseitigung von seicht vergrabenen, verschütteten oder blindgegangenen Kriegsrelikten bzw. bei der Untersuchung von bombenverdächtigen Gelände mußte ein mechanischer Erdaushub von 10 m3 geleistet werden.

Aus Gewässern und Seen wurden von der Tauchergruppe des Entminungsdienstes in 232 Tauchstunden 20.943 kg verschiedener Kriegsrelikte geborgen.

Zur Erfüllung dieser Einsatzerfordernisse hatten die Einsatzkraftfahrzeuge des Entminungsdienstes 265.121 km zum Teil im Gelände zurückzulegen.

Das Gesamtgewicht der seit dem Jahre 1945 geborgenen und vernichteten Kriegsrelikte hat sich bis 31.12.2001 auf 25,415.622 kg und die systematisch abgesuchte und zur Nutzung freigegebene Gesamtfläche auf 56 544.390 m2 erhöht.

Die Zahl der freigelegten, entschärften und beseitigten Fliegerbombenblindgänger verschiedener Art und Kaliber hat sich auf 20.576 Stück erhöht. Die angeführten Leistungen wurden von 16 Bediensteten erbracht.

Schwerpunkt der Einsätze:

Die ehemaligen Kampf- und Rückzuggebiete des Krieges, sowie die Bergung der in den Gewässern und Seen versenkten Kriegsrelikte.

Kraftfahrzeuge und FS-Suchgeräte:

Der Stand an Einsatzfahrzeugen betrug am 31.12.2001 13 KFZ
und zwar

4 VW-Pritschenwagen
1 Puch G Mercedes
2 allradbetriebene Mitsubishi Pajero
1 Daimler Benz LKW 4,5 t
1 Mannschaft Transporter VW
1 Bus-Kombi VW
1 Daimler Benz LKW 1120 AF mit Kran und Anhänger
1 Unimog (Grabegerät)
1 Steyr LKW mit Ladekran

Dem Entminungsdienst stehen zum Suchen und Orten von Kriegsrelikten 15 Minen- bzw. Metallsuchgeräte, sowie ein Tiefendetektionssystem mit Computerauswertung zur Verfügung.

Offene Bergeeinsätze und Arbeiten größeren Umfangs:

Großmittel und Allentsteig, Sprengplatz, Durchführung der Sprengung zur Vernichtung der anfallenden Kriegsrelikte, geschätzte Menge ca. 22 t. Wr. Neustadt, Industriegelände ehem. Rax-Werk und Flughafen-Ost laufend kleine Sucharbeiten und Baustellenüberwachungen im Einvernehmen mit dem Stadtbauamt.
Rüstdorf, BH Vöcklabruck, Fortsetzung der systematischen Absuche des ehem. Bombenabwurfplatzes. Kötschach-Mauthen, BH Hermagor, Weiterführung der Absuche und Beseitigung der gemeldeten Kriegsrelikte im hochalpinen Gebiet des österr.- ital. Grenzbereiches.

Taucheinsätze:

Ossiachersee, BH Villach, Kärnten
Wörthersee BH Klagenfurt Kärnten
Mondsee BH Vöcklabruck Oberösterreich
Ybbs BH Waidhofen/Ybbs Niederösterreich
Längsee BH St.Veit a.d.Galn Kärnten

Rückfragen & Kontakt:

Bundesministerium für Inneres
MR Ing. Willibald Berenda
Abteilung II/D/17 - Entminungsdienst
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Tel.Nr. 90600/35100, Fax Nr. 90600/35259

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