"Unrecht wieder gutmachen"

Mit Befriedigung reagierte heute Bundespräsident Thomas Klestil auf das zugesagte Zusammentreffen des tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Havel mit Ministerpräsident Milos Zeman in Prag und auf die anschließende Erklärung Havels, " daß eine weniger bunte Sprache Zemans den gutnachbarschaftlichen Beziehungen nutzen würde".

Bundespräsident Thomas Klestil hatte bekanntlich am 20. Jänner 2002 mit Havel ein ausführliches Telefonat geführt. Vorausgegangen war dem Gespräch der Staatsoberhäupter ein Interview des tschechischen Ministerpräsidenten Milos Zeman im Nachrichtenmagazin "profil", in dem dieser im Zusammenhang mit den Benes-Dekreten Österreich und die Österreicher pauschal verunglimpft hatte. Die beiden Präsidenten waren sich einig, daß Probleme zwischen Nachbarn nicht durch Polemiken gelöst werden können, sondern diese nur verschärfen würden. Havel sagte in dem Telefonat dem österreichischen Bundespräsidenten auch eine öffentliche Erklärung und das Gespräch mit Zeman zu. Dies ist nunmehr erfolgt.

Angesichts der heutigen Erklärung Havels ist es die Auffassung des österreichischen Bundespräsidenten, daß nach Ende des Zweiten Weltkriegs - in einer besonders tragischen und verhängnisvollen Phase der Geschichte - drei Millionen Sudetendeutschen durch Enteignung und Vertreibung große Ungerechtigkeit zugefügt worden war. Klestil: "Wir müssen uns heute dafür einsetzen, daß das Leid der Menschen anerkannt und erlittenes Unrecht im europäischen Geist wieder gutgemacht wird". Klestil erinnert auch an eine Erklärung Havels vor der österreichischen Presse anläßlich eines Arbeitsbesuches in Wien im September des vergangenen Jahres, in der der tschechische Staatspräsident die Vertreibung der Sudetendeutschen als "Akt des Unrechts und der Rache" bezeichnet hatte.

Bundespräsident Klestil trat heute in diesem Zusammenhang auch dafür ein, daß die Arbeit der bereits eingesetzten Expertenkommission von Völkerrechtlern und Historikern beschleunigt weitergeführt und der Fragenkomplex der Benes-Dekrete so bald wie möglich auf bilateralem Weg zwischen den beiden Nachbarn bereinigt wird.

Rückfragen & Kontakt:

Presseabteilung
Hofrat Dr. H. Magenschab
Tel.Nr.: 53422 / 230

Österreichische Präsidentschaftskanzlei

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | BPK/BPK