Sammlung Strauß-Meyszner von Stadt Wien angekauft

Wien, (OTS) Die Sammlung Strauß-Meyszner, eine der beiden großen zu Lebzeiten von Johann Strauß Sohn angelegte Strauß-Sammlungen, wurde von der Stadt Wien nach der Restitution an die Familie Crespo de la Serna um 73 Millionen Schilling angekauft. Die Sammlung umfasst u.a. Notenhandschriften, darunter die Partituren der Operetten "Indigo und die vierzig Räuber" und "Carneval in Rom" sowie der einzigen Oper von Johann Strauß Sohn "Ritter Pasman", Notendrucke, Dokumente, Theaterzettel, Zeitungsausschnitte, topografische Darstellungen, Ölgemälde und Porträts, die Original-Totenmaske und die Hausorgel von Johann Strauß. In einem gemeinsamen Pressegespräch, an dem auch Marianne Cochran Crespo de la Serna als Vertreterin der Erben, Dr. Stephen W. Roe als Vertreter der in die Verhandlungen einbezogenen Auktionshauses Sotheby’s sowie Dr. Eduard Strauss als Sprecher der Familie Strauss teilnahmen, zeigten sich Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny glücklich, die Sammlung für die Wiener Stadt- und Landesbibliothek und das Historische Museum der Stadt Wien erworben zu haben. Strauß und Wien seien schließlich untrennbar, sagte Bürgermeister Dr. Michael Häupl, und es sei wichtig für die Stadt, für die Forschung und generell für die Kultur, die Sammlung in Wien zu haben. Zugleich legte Häupl ein Bekenntnis zur Restitution ab: "Was uns nicht gehört, das geben wir zurück", sagte der Bürgermeister und wies darauf hin, was die Stadt Wien für die Restitution geleistet habe. Häupl kündigte auch an, dass eine Lösung für den Hakoah-Sportplatz unmittelbar bevorstehe. Schließlich dankte der Bürgermeister noch allen, die zum Zustandekommen des Kaufes der Sammlung Strauß-Meyszner beigetragen haben.

Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny schloss sich diesem Dank an und wies darauf hin, dass dies das erste Mal sei, dass eine wertvolle Sammlung zurückgestellt und dann wieder angekauft worden sei. Dieser Ankauf stehe im Gefolge einer längeren Reihe von Investitionen in das kulturelle Gedächtnis der Stadt. Mailath-Pokorny erinnerte an die Sammlungen Schönberg, Kiesler und zuletzt Rosenfeld. Bezüglich der Krenek-Sammlung gebe es vielversprechende Gespräche. Schließlich kündigte Mailath-Pokorny an, dass der Nachlass im Herbst in einer Ausstellung präsentiert werden solle.****

Auch die anderen Teilnehmer der Pressekonferenz zeigten sich zufrieden damit, dass die Sammlung nun wieder in Wien sei. Marianne Cochran Crespo de la Serna erinnerte daran, dass dies ein großes Anliegen ihres leider vor kurzem verstorbenen Mannes gewesen sei. Dr. Stephan W. Roe bezeichnete die Sammlung als eine der bedeutendsten, die er in seiner langjährigen Beschäftigung mit Musikalien gesehen habe. Dr. Eduard Strauss wies darauf hin, dass es nun notwendig sei, initiativ an die Forschung und Aufarbeitung der Sammlung heran zu gehen.

Inhalt der Sammlung Strauß-Meyszner

Abgesehen von den bereits genannten Autographen umfasst die Sammlung u.a. Tanzmusikwerke wie die Walzer "Groß-Wien", "Märchen aus dem Orient" und "Hochzeitsreigen", sowie eine große Anzahl von Skizzen, wie jene zum unvollendeten Ballett "Aschenbrödel". Johann Strauß Vater ist mit dem Autograph der "Quadrille ohne Titel" vertreten. Weiters gibt es Erst- und Frühausgaben sämtlicher mit Opuszahlen versehenen Kompositionen von Johann Strauß Sohn, 1273 Korrespondenzstücke, im Zentrum 97 Korrespondenzen von Johann Strauß Sohn, darunter viele mit prominenten Künstlern der Zeit. Eine Kuriosität sind schließlich 88 von Johann Strauß Sohn gefertigte Karikaturen.

Betreffend die Musen der Stadt Wien umfasst die Sammlung u.a. das großformatige Strauß-Porträt in Kohle von Leopold Horovitz, sowie weitere Darstellungen des Komponisten von August Eisenmenger und Franz Lenbach sowie eine Marmorbüste von Viktor Tilgner. An Einrichtungsgegenständen aus der letzten Wohnung von Johann Strauß sind seine Hausorgel und seine Geigenvitrine in der Sammlung enthalten, eine Totenmaske des großen Komponisten zählt als Reliquie ebenfalls dazu. Die Persönlichkeit von Johann Strauß, die Familie und das Umfeld wird durch insgesamt mehr als 1.400 Objekte von Stichen und Ansichtskarten über Theaterzettel, Plakate und weitere Memorabilien dargestellt.

Zur Geschichte der Sammlung Strauß-Meyszner

Die Sammlung wurde in der NS-Ära, am 21. April 1939 "sichergestellt" und als "Geschenk" in das Eigentum der Stadt Wien übertragen. Im Verlauf von Restitutionsverhandlungen in den Nachkriegsjahren wurden der Familie Crespo de la Serna eine Reihe von Objekten der Sammlung übertragen, mit der gleichzeitigen Auflage, dass die restliche Sammlung ohne weitere Entschädigung an die Stadt Wien übergehe. Diese Verknüpfung von geschenkweiser Überlassung von Objekten im Verlauf von Rückstellungsverfahren wurde von der österreichischen Öffentlichkeit gegen Ende der 90er Jahre zunehmend kritisch beurteilt. 1998 wurde im Parlament ein "Bundesgesetz über die Rückgabe von Kunstgegenständen aus den Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen" beschlossen, dem sich der Wiener Gemeinderat 1999 anschloss. Im Zuge der entsprechenden Prüfungsverfahren empfahl die dafür nominierte unabhängige Historikerkommission im März 2001, die Sammlung Strauß-Meyszner zu restituieren, was formell am 5. Mai 2001 geschah. In der Folge fanden auf Initiative von Bürgermeister Dr. Michael Häupl und Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny Verhandlungen zum Ankauf der Sammlung statt, die schließlich erfolgreich beendet wurden.

Weitere Informationen:

o Stadt- und Landesbibliothek:

www.wien.at/ma09/
o Historisches Museum:

www.museum.vienna.at/dynamicPage.asp?MenuID=1687

(Schluss) gab/vo

Rückfragen & Kontakt:

www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Dr. Martin Gabriel
Tel.: 4000/81 842
e-mail: gab@m53.magwien.gv.at

PID-Rathauskorrespondenz:

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK/NRK