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Klagenfurt (OTS) - Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Mauer als Absage an den Frieden

Utl.: Ausgabe vom 30. Jan. 2002=

Dass dreizehn Jahre nach dem Fall der Berliner
Mauer eben diese wiederum als Modell für politische Problemlösung ausgegraben wird - wo auch immer - war doch 1989 absolut unvorstellbar. Wie groß waren doch der internationale Jubel und die weltweite Erleichterung, als dieses verbrecherische Zeichen des Irrationalen endgültig auf die Müllhalde der Geschichte gekippt schien.
In der DDR war das Arbeiterparadies gescheitert. Seine traurigen Reste wurden innerhalb einer Mauer konserviert. In Israel ist der Frieden gescheitert und man schreitet zur Konservierung der politischen Totenruhe. Wer Mauern aufzieht, hat politisch resigniert. Es ist die US-amerikanische Nahost-Politik, die täglich deutlicher von möglichen Initiativen abrückt und an die Stelle von Friedensbemühungen Terrorbekämpfung setzt. Mit "Terrorbekämpfung" können die USA heute so ziemlich alles rechtfertigen - den Mangel an Politik und den Mangel an Recht. Der Nahe Osten ist für die Bush-Administration längst zum "Terrorproblem" geschrumpft. Und mit "Terroristen" ist ein Friede nicht zu schließen. Aus dieser Logik heraus sind die neuen Mauerpläne erklärbar. Mauern sind die Beton gewordene Verneinung von Frieden.
Dass die EU-Außenminister in einem Anfall von Vernunft Arafat nicht fallen lassen und den USA damit widersprechen, ist eine europäische Mutprobe, die es politisch erst durchzuhalten gilt. Arafat einen Gesprächspartner nennen und mit ihm zu sprechen, sind zweierlei. Jetzt ist der zweite Schritt fällig.

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