DER STANDARD-Bericht: "Autoleasing: Grasser drohen Milliardenverluste: Unternehmen nützen deutsche Steuergesetze aus" - Erscheinungstag 30.1.2002

Wien (OTS) - Finanzminister Karl- Heinz Grasser könnten schon bald Mehrwertsteuereinnahmen in Milliardenhöhe entgehen. Österreichische Leasingunternehmen entdecken Wege, um die deutlich günstigeren deutschen Steuervorschriften auszunützen.

Deutschland erlaubt im Gegensatz zu Österreich Unternehmen den Vorsteuerabzug auch bei Pkw, dazu ist der Mehrwertsteuersatz mit 16 Prozent noch deutlich günstiger als in Österreich (20 Prozent). BMW bietet etwa gewerblichen Kunden aus Österreich an, ihr Auto im bayerischen Freilassing zu leasen. Angemeldet wird das Fahrzeug in Österreich, die Normverbrauchsabgabe wird an den österreichischen Finanzminister abgeliefert, die Leasingrate samt Mehrwertsteuer geht aber nach Deutschland. Im Zuge des Vorsteuerabzuges kann diese Mehrwertsteuer dann noch zurückgeholt werden.

Der österreichische Finanzminister hat zwar bereits 1995 auf diese Gefahr der "Steuerabwanderung" reagiert und mittels Verordnung festgelegt, dass Unternehmen, die sich vom deutschen Finanzminister die Steuer zurückholen, diese in Österreich nachzahlen müssen. Diese Verordnung dürfte aber in Kürze vom Europäischen Gerichtshof aufgehoben werden.

Brancheninsider rechnen damit, dass dann die meisten österreichischen Leasingunternehmen und Banken Töchter in "billigeren" EU-Ländern gründen werden.

Auch private Leasingkunden können in Deutschland ein Auto leasen. Sie bekommen zwar die Mehrwertsteuer nicht zurück, profitieren aber vom niedrigeren Steuersatz. Dem Vernehmen nach arbeiten bereits mehrere große Autohersteller an entsprechenden Angeboten mit "Kampf"-Leasingraten.

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