"Kleine Zeitung" Kommentar: "Eisberg" (von Carina Kerschbaumer)

Ausgabe vom 30.11.2002

Graz (OTS) - Die Praktiken sind bekannt, seit langem. Nicht erst seit die gestrandeten Fernfahrer in Luxemburg im Scheinwerfer stehen. Anklagend. Illegal Beschäftigte mit vier Euro Stundenlohn und einem Job, der bei oft 20.000 Kilometern im Monat die Grenzen der Leistungsfähigkeit überschreitet.

Die Scheinwerferkegel haben nun alles erfasst. Die Ausbeutung, den Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz, den Zwang der Fernfahrer, Ruhenszeiten zu umgehen, um Aufträge ihrer Chefs erfüllen zu können. Aus Angst, sonst den Arbeitsplatz zu verlieren. Der Unterschied zum aktuellen Fall? Im Alltag wird nicht gegen die Frächter ermittelt, da stehen dann die Fernfahrer vor dem Richter.

Allen bekannt ist auch der Hintergrund. Modernes Sklaventum als Wettbewerbsvorteil gegenüber Bahn und Mitbewerbern. Ein ruinöser Wettbewerb, der Frächter in die Illegalität drängt - oder in den Konkurs.

Bekannt ist auch die Laxheit der Kontrollen in Österreich.

Die Spitze des Eisberges wird derzeit gefilmt. Ob die EU-Verkehrs-und Justizminister den gesamten Eisberg zum Schmelzen bringen? Ein Gebot der Stunde. Nur: Die Kameras werden abziehen - und die Frächterlobbys bleiben.****

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