"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Wenn einer alle Türen zuschlägt

Ausgabe vom 26.01.2002

Während man sich bei der Europäischen Zentralbank darüber freut, wie zügig und problemlos die Euro-Bargeldumstellung vor sich geht, scheint man anderswo die Zeit anhalten zu wollen - in den Presseunterlagen, die LH Jörg Haider und LR Karl Pfeifenberger gestern zur Förderinitiative für die Klein- und Mittelbetriebe und den Tourismus ausgab, werden auch Förderbeträge für das heurige Jahr - in dem wir uns unwiderruflich vom Alpendollar verabschieden müssen - konsequent in Schilling angeführt.

Bloß ein Versehen? - oder Methode bei jemandem wie Haider, der kürzlich via ZiB2 verkündete, dass "man in so einem Europa eigentlich gar nicht sein sollte". Und dabei immer so tut, als ob Europa "die dort" seien und standhaft negiert, dass Österreich ein Teil dieses Europa ist.

Ein Teil, von dem sich die Europäische Union einmal sehr viel erhofft hat, nämlich den Brückenschlag zu den Beitrittsländern im Osten. Als Herzstück eines erweiterten Europa hätte Österreich hier eine besondere Rolle. Stattdessen arbeitet der eine Koalitionspartner -unter der Regie des einfachsten aller Parteimitglieder - konsequent daran, eine Tür nach der anderen zu den beitrittswilligen Nachbarn zuzuschlagen. So eifrig, dass der Bundeskanzler gar nicht damit nachkommt, als Türstopper zu fungieren. Vielleicht sollten wir uns ja wirklich die Frage stellen, ob wir in einem vereinten Europa am richtigen Platz sind, mit einer Regierung, von der ein Teil so wenig von der europäischen Idee begriffen hat. Vielleicht haben sich das auch unsere europäischen Partner schon dann und wann gefragt.

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