Neue Chemikalienstrategie wird Test-Lawine in Österreichs Tierversuchslabors lostreten!

Wien (OTS) - Im Rahmen der geplanten Chemikalienpolitik der Europäischen Kommission sollen 30.000 "Chemische Altstoffe" getestet werden: VIER PFOTEN fordern Einsatz und raschere Zulassung von Alternativmethoden, da sie besser auf den menschlichen Organismus übertragbar sind. Außerdem kann damit der Testprozess beschleunigt und sinnloses Tierleid in Versuchslabors vermieden werden!

Im Weissbuch zur zukünftigen Chemikalienpolitik präsentierte die Europäische Kommission Vorschläge für den Umgang mit chemischen Stoffen. Zentrale Forderung ist die zwingende Testung von rund 30.000 "chemischen Altstoffen", die vor dem September 1981 auf den Markt gebracht worden sind. Das sind 99 Prozent der derzeit am Markt zugelassenen Stoffe. Die Folgen wären fatal: Da dieses Testing-Programm auf Tierversuchen basiert, werden in den nächsten Jahren zusätzlich ca. 12,8 Mio. Labortiere - davon 8,4 Mio. Säugetiere und 4,4 Mio. Fische unter katastrophalen Bedingungen sterben. "Wir unterstützen das Ziel, Chemikalien sorgfältig zu kontrollieren und nach potentiell gefährlichen Eigenschaften zu analysieren, um Mensch, Tier und Umwelt optimal schützen zu können," betont Fabian Friedrich, Labortierexperte der VIER PFOTEN. Die Verwendung von Tierversuchen lehnt die Tierschutzorganisation jedoch nicht nur aus ethischen Überlegungen kategorisch ab. Der Grund: Es existieren bereits modernere und besser auf den menschlichen Organismus übertragbare Testmethoden.

EU-Chemikalienpolitik: Massiver Anstieg der Tierversuche

ist vorprogrammiert.

Im EU-Raum gibt es 16 Labors, die den Anforderungen für Chemikalientestung entsprechen. In Österreich ist das Austrian Research Center in Seibersdorf als einziges Labor in der Lage, alle erforderlichen Experimente durchführen zu können. Die Substanzen sollen in vier Stufen getestet werden, wobei die Überprüfungskritieren vom Produktionsvolumen der Chemikalie abhängen:
Je größer die produzierten Mengen pro Stoff, desto länger die vorgeschriebene Testreihe. VIER PFOTEN-Labortierexperte Friedrich fordert klare gesetzliche Regelungen sowohl in Österreich als auch auf EU-Ebene. "Tierversuchsfreie Alternativmethoden sollten im Weissbuch rechtsverbindlich für alle Chemikalientests vorgeschrieben werden", betont er. Ein Ende der geplanten Tests bis 2012 - wie im Weissbuch prognostiziert - sieht Friedrich als Illusion: "Aufgrund mangelnder Testkapazitäten in den EU-Labors ist ein Abschluss der Testreihe auf Basis von Tierversuchen vor 2048 absolut unmöglich." Um ein möglichst rasches Ende der Chemikalientests zu erreichen, wäre die verstärkte Anwendung und Zulassung von Alternativmethoden eine sinnvolle Alternative.

Sinnloses Tierleid durch Tierversuche.

Chemikalientests müssen aufgrund von gesetzlichen Vorschriften hauptsächlich an Mäusen, Ratten, Meerschweinchen, Kaninchen, Hunden und Fischen durchgeführt werden. Zu den stärksten Belastungen für den tierischen Organismus zählen toxikologische Tests. Bei diesen Vergiftungstests wird die Wirkung von bestimmten Substanzen auf den Organismus überprüft. Die Palette der grausamen Versuche reicht von Augenreizungstest, die zur Erblindung führen können, über Versuche an Haut und Schleimhaut bis hin zum Hervorrufen chronischer Vergiftungen, was bei Labortieren zu Krämpfen, schweren Bauchschmerzen, Zittern oder Blutungen aus Augen oder Mund führen kann. Für die Testung einer Chemikalie, die ein Produktionsvolumen von über 1.000 t pro Jahr hat, werden durchschnittlich 2.123 Tiere verwendet: Der Großteil der bedauernswerten Geschöpfe stirbt während der Behandlung oder wird anschließend getötet.

Alternativmethoden statt Tierversuche: Tiere und Mensch

profitieren gleichermaßen.

Um unnötige Doppelversuche zu vermeiden, sollten bereits vorhandene Daten zusammengeführt und öffentlich zugänglich gemacht werden: "Es gibt bereits etliche signifikante Daten über die Gefährlichkeit von Stoffen, die in Schubladen von Industrie, Behörden und medizinischen Instituten ruhen", ist Friedrich überzeugt. Gesetzlich anerkannte Ersatzmethoden gibt es derzeit kaum: Im Moment sind mit einem Phototoxizitätstest und zwei Tests für die Überprüfung von Ätzwirkungen EU-weit nur drei Alternativmethoden ohne Tierversuche validiert und gesetzlich zugelassen worden! Dabei gibt es bereits eine Vielzahl an Ersatzmethoden wie Versuche an Zellen und Geweben, isolierten Organen, Bakterien und Pilzen oder Experimente mittels Computermodellen. Vor der Anerkennung tierversuchsfreier Methoden müssen diese langwierige Validierungsstudien mit Dauer bis zu zehn Jahren absolvieren. Im Gegensatz dazu sind die meisten Tierversuche niemals validiert worden, d.h. ihre wissenschaftliche Genauigkeit, Relevanz und Wiederholbarkeit sind bis heute nicht bestätigt worden. Erschwerend kommt die mangelnde Förderung von Seiten der österreichischen Regierung dazu. Ein starkes Argument für den Einsatz von Alternativmethoden ist außerdem die bessere Übertragbarkeit auf den Menschen. Aspirin hätte beispielsweise bei einer Testung mit Tierversuchen niemals eine Zulassung am Markt bekommen: Das bekannte Grippemittel hat auf Katzen und Hunde nämlich eine hochgiftige, tödliche Wirkung.

Tierversuchsstatistik: Aktuelle Zahlen.

Die Tendenz der in Österreich durchgeführten Tierversuche ist steigend: Wurden 1999 noch 130.295 Tiere zu Versuchen herangezogen, waren es im Jahr 2000 laut aktueller Tierversuchsstatistik insgesamt schon 165.028 Tiere. Das bedeutet eine Steigerung zum Vorjahr um 26 Prozent! Im Vergleich dazu: EU-weit wurden 1999 rund 12 Millionen Tiere für Experimente verwendet. Statistisch gesehen findet in Österreichs Laboren alle drei Minuten ein Tierversuch statt. Am stärksten wurden im Jahr 2000 die Tests mit Meerkatzen forciert:
Experimente mit diesen Tieren stiegen um das 20fache im Vergleich zum Vorjahr an. Im gleichen Zeitraum hat sich die Anzahl der Tierversuche mit Hunden verdoppelt. Die am häufigsten in Österreich verwendeten Labortiere sind Mäuse, Ratten und Kaninchen: Sie machen 90 Prozent der Versuchstiere aus. Auch in anderen europäischen Ländern sind die beliebtesten Labortiere Nager und Kaninchen: Sie machen 81 Prozent der Versuchstiere aus, gefolgt von den Kaltblütern mit 13 Prozent und Vögel mit 4 Prozent. Die restlichen 2 % sind Paarhufer und sonstige Tiere.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Jutta Zachar
Pressesprecherin
VIER PFOTEN - Stiftung für Tierschutz
Tel: 01-8950202-33
Fax: 01-8950202-99
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