"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Gute Miene als Programm

Ausgabe vom 25.02.2002

Man lächelt zum Trotz. Verbrüdert sich demonstrativ. Exerziert das ungetrübte Miteinander. Und erklärt die gute Miene zum Programm. Ergo lässt sich die Wenderegierung "von der Aufgeregtheit des Kärntner Landeshauptmannes nicht anstecken", diskutiert "eine ganze Nacht lang" kontroverse Standpunkte und beendet die Koalitionskrise "in einem Gewaltakt", der seinesgleichen sucht. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Schwarz und Blau drohten sich gegenseitig Neuwahlen an. Wohl wissend, dass sie ernsthaft nicht einen Augenaufschlag lang an den Bruch glaubten. Zu süß die Macht. Zu unverzeihlich die Dummheit, sich selbst aus dem Sattel zu heben. Es war offensichtlich - von vornherein: Die Koalition kämpft bis zum bitteren Ende. Gleichgültig, ob der Weg dorthin noch ein langer ist. Doch ist der Wille nicht minder eisern. Und das Eingeständnis kurios genug: Uns trennen zwar Welten, doch was kümmert’s uns!

Hauptsache ist das Ziel. Der Weg Nebensache: Man holt wieder zum Schlachtruf aus (Ärmel aufkrempeln!) und pfeift die zweite Halbzeit ein. Ob’s dem Österreicher schmeckt, bleibt dahingestellt. Man hat ihn ja auch nicht gefragt, als man sich brüderlich fand, nachdem man sich im Wahlkampf gegenseitig abgeschworen hatte. Das schwarz-blaue Rädchen wird sich weiterdrehen. Man wird lächeln. Beim Heurigen schunkeln. Dass der "Einfache" mit Oppositionsparolen, Patriotengeheul und Vorurteilsmasche derweil den Weg der "wahren" FPÖ in die nächsten Wahlen ebnet, ist freilich die spannendere Geschichte.

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