"Kleine Zeitung" Kommentar: "Brüchiger Friede" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 25.1.2002

Graz (OTS) - Wie im James-Dean-Film rasten die Koalitionspartner
auf den Abgrund zu und das Spiel ging: Wer zuerst bremst, hat verloren. Kurz vor dem Aus haben ÖVP und FPÖ ihrem selbstruinösen Ritt ein Ende gesetzt. Erschöpft verkündete das schwarz-blaue Quartett, man habe sich fürs Weiterleben entschieden. Die Opposition möge den Vertrieb der Partezettel abbrechen.

Was die Zerstrittenen letztlich geeint haben dürfte, war nicht nur der nackte Überlebenstrieb, sondern auch die spät gereifte Erkenntnis, dass ein Bruch beiden desolate Perspektiven eröffnet hätte. Die ÖVP verlöre den Kanzler und die FPÖ den süßen Eros des Regierens, den die Basis nicht teilen mag.

Darin liegt auch der Keim für künftiges Ungemach. Die alte Stammwählerschaft kommt mit der neuen FPÖ nicht ins Klare. Sie sehnt sich zurück nach jener Kampfmaschinen-FPÖ, die gegen das System focht. Und nicht Teil des Systems ist.

Jörg Haider befriedigt dieses verlangen auf tollkühne, schizophrene Weise. Er mimt die alte FPÖ, obwohl er die neue an die Macht führte. Um die alte zu retten, beschädigt er die neue. Er lässt sie nicht frei und souverän werden. Er bleibt für diese Regierung, die er mit schuf, die einzig gefährliche Opposition.****

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