Gewerbeordnung: "Qualität in der Lehrlingsausbildung darf nicht unter Reform leiden"

ÖGJ: Mehr Anstrengungen im Tourismus erforderlich

Wien (ÖGJ). "Sie haben ein Studium der Biologie hinter sich und finden keinen Job? Kein Problem - eröffnen Sie doch einfach ein Restaurant! Und nach Möglichkeit lassen Sie dann noch ein paar Lehrlinge von ihre gastronomischen Erfahrungen profitieren. Dieses Beispiel zeigt anschaulich die Gefahr, in welche Qualitätsrichtung sich die Lehrlingsausbildung nach Umsetzung der Reform zur Gewerbeordnung bewegen könnte", erklärt Albert Maringer, Bundesvorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ). "Da Österreich als kleines Land besonders von qualifizierten Arbeitskräften abhängig ist, fordert die ÖGJ dringend Maßnahmen zur Absicherung der fachlichen Qualifikation ein."++++

"Besonders im Tourismus genießen Österreichs Fachkräfte international einen außergewöhnlich guten Ruf. Dass dies auch so bleibt, dafür gilt es nun die Weichen zu stellen", so Maringer. "Im krassen Gegensatz zur Lehrstellensituation in Österreich, gibt es im Tourismus jedes Jahr von neuem ein Überangebot an Lehrstellen. Es gilt deshalb, diese Ausbildung für Jugendliche wieder attraktiver zu machen." Derzeit, so Maringer, würden viel Jugendliche von der schlechten Bezahlung und dem schlechten Ausbildungsruf abgeschreckt.

"Das gleiche Qualitätsrisiko droht im Handel, der immerhin einer der größten Lehrlingsausbildner ist. Auch hier gibt es, nachdem die Zugangsregelung fällt, keine Gewährleistung der fachlichen Qualifikation mehr", so der Bundesvorsitzende. "Dazu kommt, dass ein Betrieb, wenn er ohne kaufmännische Ausbildung geführt wird, extrem konkursanfällig ist."

Eines steht für Maringer fest: "Die Qualität der Lehrlingsausbildung darf nicht unter der Reform der Gewerbeordnung leiden. Vielmehr müssen weiter Bemühungen stattfinden, die Qualität und auch die Quantität am österreichischen Lehrstellenmarkt weiter auszubauen." (aw)

ÖGB, 24. Jänner 2002
Nr. 063

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