Erste Anzeichen für Konjunkturerholung in den USA und daher auch für Europa

Prof Felderer (IHS) beim Club Internationale Wirtschaft in der WKÖ: Zinserhöhung durch US-Fed und EZB wahrscheinlich

Wien (PWK058) - "Wenn es eine Erholung der europäischen Konjunktur geben wird, kommt sie aus den USA, und es gibt erste Anzeichen dafür, dass im 2. Quartal 2002 eine Erholung in Sicht ist", zeigte sich Bernhard Felderer, Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Instituts für Höhere Studien, bei einem Vortrag im Club Internationale Wirtschaft in der WKÖ überzeugt. Die Industrieproduktion in den USA ist im Dezember 2001 erstmals seit eineinhalb Jahren wieder gestiegen und auch der US-Einzelhandel entwickelte sich im 4. Quartal des vergangenen Jahres überaus positiv.

Dadurch könnte auch in Deutschland die Exportlokomotive wieder anspringen und sich die Konjunktur erholen. Erste Umfragen belegen, dass sich die Auftragslage in der deutschen Industrie verbessert. Auch für Österreich könnte die Erholung in den USA wirtschaftliches Wachstum bedeuten. Die Aufträge aus dem Ausland sind zahlreich und die Industrieproduktion ist wieder im Steigen.

Mittel- und langfristig zeigt sich jedoch ein gewaltiger Aufholbedarf der europäischen Wirtschaft gegenüber der amerikanischen. "Die US-Wirtschaft ist in den letzten zehn Jahren (1992-2001) jeweils um 1,4% stärker gewachsen als der EU-Schnitt. Kumuliert ist die US-Wirtschaft im selben Zeitraum um 15,3% schneller gewachsen, gegenüber Deutschland beträgt die Wachstumsrate sogar +22%", so Felderer. "Europa hat auf die Flexibilisierung der Märkte in den 80er-Jahren noch nicht ausreichend reagiert", unterstrich Felderer. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die USA verzeichneten einen höheren Beschäftigungszuwachs als die europäischen Länder und sie betreiben eine andere Lohnpolitik. Durch niedrige Sockellöhne finden auch weniger Qualifizierte relativ leicht einen Arbeitsplatz, was wiederum die Arbeitslosigkeit senkt. Der Staatskonsum (Löhne, andere staatliche Ausgaben ) ist in den USA mit 16% geringer als in Europa (EU-Schnitt: 22%), bei den Investitionen in Bildung und Infrastruktur verhält es sich dagegen genau umgekehrt.

In der anschließenden Diskussion eingehend zur Konjunktur in Österreich und zur Zinsentwicklung befragt, meinte Felderer: "Die ersten Signale der Frühindikatoren geben für sich zwar keine Gewissheit eines Aufschwunges, im Lichte der Entwicklung in den USA passen sie aber sehr gut in das weltwirtschaftliche Konjunkturbild." Hinsichtlich der Zinsentwicklung erwartet Felderer eine Zinserhöhung durch die EZB und die US-Fed. (GT)

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