"Kleine Zeitung" Kommentar: "Größenwahn" (von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 23.1.2002

Graz (OTS) - Notwendige Bedingungen für den Erfolg eines Volksbegehrens sind eine emotionelle Grundstimmung für das Anliegen und eine tatkräftige Organisation. Beides hat die Anti-Temelin-Aktion vorgefunden. Die Skepsis gegen Kernkraft ist breiter, als es die 15 Prozent andeuten. FPÖ und Kronenzeitung haben sich zu einem seltsamen Bund verschworen.

Das rührt an Grundsätze unserer Gesellschaft. In allen westlichen Ländern löst sich die Grenze zwischen politischer und medialer Macht auf. In Redaktionskampagnen sucht man Einfluss neben Parteien, Parlamenten und etablierten Verbänden.

Ursache ist sicher auch, dass sich die Bürger oft von den institutionellen politischen Kräften missachtet sehen. Letztlich treibt das in ein anderes Demokratieverständnis.

In Österreich scheint diese Entwicklung besonders fortgeschritten. Das ist kein Wunder. Nirgends sonst hat eine Zeitung eine derart marktbeherrschende Position, die zur Selbstüberschätzung, zum Größenwahn verführt.

Aber die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Schon das Hainburg-Begehren 1985 wurde zum Flop, die "Wende"-Regierung nicht verhindert. Selbst alle "Krone"-Leser würdigen eine ständige Gehirnwäsche nicht.****

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