Kfz-Handel: Trotz Rückgängen gutes Normaljahr 2001

Havelka bestärkt Forderung nach Abschaffung der Nova und Steuerangleichung für EU-weite Wettbewerbsfähigkeit

Wien (PWK057) - Der österreichische Fahrzeughandel verzeichnete im Jahr 2001 Pkw- und Kombi-Neuzulassungen in der Höhe von 293.528 Stück, was im Vergleich zu 2000 (309.427 Pkw- und Kombi-Neuzulassungen) einen Rückgang von 15.899 Stück (- 5,1 %) bedeutet. Mit insgesamt 375.814 neu zum Verkehr zugelassenen Kraftfahrzeugen verzeichnete das Jahr 2001 einen Rückgang von 6,3 Prozent. Dennoch spricht Heinz Havelka, Obmann des Bundesgremiums Fahrzeughandel in der Wirtschaftskammer Österreich, am Mittwoch von einem guten Normaljahr, denn "die Ergebnisse der letzten Jahre waren zahlenmäßig durch eine außergewöhnlich gute Autokonjunktur gekennzeichnet", so Havelka. Auch für das laufende Jahr zeigt sich Havelka vorsichtig optimistisch: "Für 2002 erwarten wir rund 285.000 bis 290.000 Stück Pkw, was durchaus in einem guten Bereich liegt." Peter Laimer, von der Statistik Austria, führt genauer aus: "Wie zu erwarten betreffen ¾ der Zulassungen Pkw/Kombi (78,1 Prozent), wobei mittlerweile 51,3 Prozent auf dieselbetriebene Pkw/Kombi entfällt."

Ein Hauptanliegen der Branche - die Beseitigung der Wettbewerbsnachteile im EU-Vergleich - hat seit Beginn dieses Jahres noch weiter an Bedeutung gewonnen. "Durch die Euro-Einführung wird die Transparenz der Preise erhöht. Die höhere Mehrwertsteuer in Österreich und auch die gesamte Normverbrauchsabgabe führen zu einer massiven Mehrbelastung im Vergleich zum benachbarten Ausland", betont Havelka. So beträgt z.B. die Höchstbelastung an Steuern (NoVA und MwSt) in Österreich 39,2 Prozent. Im Vergleich dazu liegt der Steuersatz in Deutschland derzeit bei 16 Prozent. Im Neuwagenbereich muss der Konsument bei einem allfälligen Import diese Steuern selbstverständlich bezahlen. Auch die Gebrauchtwagenpreise sind mit der NoVA beim Import belastet.

"Das Hauptproblem unserer Branche, die Ertragssituation, ist auch im letzten Jahr nicht besser geworden", erklärt Havelka. Die Fahrzeughändler befinden sich in einer permanenten Schere zwischen Spannensenkungen seitens der Importeure einerseits und andererseits den erhöhten Kundenforderungen an die Qualität der Produkte, an die Ausstattung, aber natürlich auch an den Preis. "Der Forderung nach Nachlässen bei ständig steigenden Kosten wie z.B. EDV, Umweltschutz, Gebäude und Ausstattung etc. nachzugeben, führt für viele Händler zum finanziellen Kollaps", warnt Havelka.

Ein schwerer Schlag für die Fahrzeugbranche war sicherlich die Verlängerung der Kfz-Prüfintervalle. "Die neuen Regelungen wirken sich äußerst kontraproduktiv auf die Bemühungen der Branche um erhöhte Verkehrssicherheit und Umweltschutz in den letzten Jahren aus", zeigt sich Havelka verärgert. Mehr als 50.000 nicht verkehrs-und umweltsichere Automobile könnten bei Greifen der neuen Intervalle auf Österreichs Straßen unterwegs sein, schätzt der Vorsteher. "Wir werden aber nicht aufhören, auf diese problematische Situation hinzuweisen und die Politiker anhalten, ihre Entscheidung zu überdenken."

In diesem Jahr steht auch die endgültige Entscheidung über die Gruppenfreistellungsverordnung an - jene Bestimmung, die das derzeitige Vertriebssystem Hersteller-Importeur-Händler regelt. "Wir sind nach wie vor fest davon überzeugt, dass die derzeitige Gruppenfreistellungsverordnung insbesondere den Bedürfnissen der Konsumenten am besten Rechnung trägt," betont Havelka.

Durch die Gebietsverantwortung des markengebundenen Fahrzeughändlers ist die optimale Versorgung der Konsumenten mit Fahrzeugen, Ersatzteilen und Kundendienst gewährleistet und kann der Autofahrer heute europaweit ein flächendeckendes Netz der Vertragshändler mit ihren Werkstätten in Anspruch nehmen. Informationen für freie Werkstätten und Verwendung von sogenannten "Identteilen" sind ebenfalls zum Vorteil des Konsumenten in der GVO geregelt. Bei einem Wegfall der Gruppenfreistellungsverordnung wäre dies nicht mehr garantiert. Aus diesem Grund gibt es auch in Österreich einen weitgehenden Sozialpartnerkonsens darüber, die Gruppenfreistellungsverordnung mit einigen Veränderungen zu verlängern.

Ab 1.1.2002 sind auch die neuen Gewährleistungsbestimmungen in Kraft getreten, die dem Konsumenten zwei Jahre Gewährleistung beim Neuwagen und mindestens ein Jahr Gewährleistung beim Gebrauchtwagen garantieren.

Das Bundesgremium hat Musterkaufverträge für den Neuwagen und den Gebrauchtwagen gemeinsam mit dem Justizministerium, dem ARBÖ, ÖAMTC und dem VKI erarbeitet. Es wurde auch eine Zustands- und Qualitätsbeschreibung des Gebrauchtwagens in der Ö-Norm V 5080 ausführlich erläutert und beschrieben. "Das bedeutet, dass der Kunde nur beim Fahrzeugfachhandel die Sicherheit hat, auch technisch überprüfte und verkehrssichere Gebrauchtfahrzeuge zu erwerben. Beim Kauf von Privat-zu-Privat hingegen nimmt der Kunde in Kauf, dass meist die Gewährleistung in den Kaufverträgen ausgeschlossen wird", warnt Havelka.

Abschließend bekräftigt der Vorsteher nochmals die zentralen Anliegen der Branche. Neben der Abschaffung der Normverbrauchsabgabe und Angleichung der Mehrwertsteuer fordert Havelka ein massives Vorgehen gegen Steuerhinterziehung durch Fahren mit ausländischen Kennzeichen. Außerdem die Beseitigung der Benachteiligung der Österreicher in Bezug auf Abschreibungsmöglichkeiten, wie z.B. die Forderung nach Erhöhung der Abschreibungshöchstgrenze für Pkw und die Vorsteuerabzugsberechtigung für alle betrieblich genutzten Pkw. Besonders am Herzen aber liegt ihm der Ausbau der Straßen. "Jene ca. 90 Milliarden Schilling, die der Autofahrer mehr an den Staat zahlt, als er an Leistungen erhält, sollten in den Ausbau der Straßen und in Maßnahmen moderner Verkehrslogistik zur Stauvermeidung investiert werden", so Havelka abschließend. (AB)

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