Schenner über Erfolge und aktuelle Probleme im Tourismus

Eröffnungsstatement zum Hotelierkongress in Saalfelden - "Basel II bringt Gefahren, aber auch Vorteile"

Saalfelden (PWK056) - Zu Beginn des Jahres 2002 liegen dank der guten Schneeverhältnisse die Nächtigungen und Umsätze auf erfreulich hohem Niveau. Der konjunkturelle Abschwung hat die Branche verzögert getroffen und es könnte ab Mitte des Jahres 2002 wieder eine Aufwärtsentwicklung geben, stellte der Obmann der Bundessektion Tourismus und Freizeitwirtschaft, Komm.Rat Johann Schenner, am Dienstag zur Eröffnung des ÖHV-Kongress in Saalfelden fest.

Die seit einigen Jahren allgemein verbesserte Lage habe dazu geführt, dass die Betriebe vermehrt in die Qualitätsverbesserung und das Erlebnisangebot investierten. Die Investitionsfreudigkeit zeige sich in der steigenden Anzahl der Kreditanträge bei den Förderungsbanken (385,2 Mio. Euro). Das hochgerechnete Gesamtinvestitionstvolumen liegt 2001 bei 1,74 Mrd. Euro. Die öffentliche Förderung sei allerdings im Abnehmen begriffen. Bei den momentan ungünstigen Rahmenbedingungen (z.B. Steuerbelastungsquote von über 45 Prozent, Gerichtsgebühr von 1,2 Prozent) brauche die Tourismusbranche weiterhin ein ausreichendes Förderungsvolumen, betonte Schenner.

Die Tourismuswirtschaft ist besonders kapital- und investitionsintensiv und daher auch von den Basel II Bestimmungen betroffen. Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft fordert, dass Basel II nicht als Vorwand für höhere Zinsen gelten darf. WKÖ-Präsident Leitl hat erst unlängst gefordert, dass Kredite für kleinere und mittlere Unternehmen als Privatkundenkredite eingestuft werden sollen, es zu keiner Benachteiligung für langfristige Finanzierungen kommt und dass bei der Bewertung des Kreditantrages die Beurteilung der Unternehmerpersönlichkeit miteinbezogen wird. Neben diesen Gefahren dürfe man aber auch Vorteile von Basel II, wie z.B. mehr Augenmerk auf die Kalkulation und das Controlling, nicht außer Acht lassen. Die österreichische Steuerpolitik sollte hierbei die Eigenkapitalstärkung der Betriebe weiterhin als vordringliches Anliegen behandeln, unterstrich der Sektionsobmann.

Ein Problem der Tourismusbranche ist der unzureichende Arbeitsmarkt. Die Personalreserven im Tourismus sind derzeit völlig ausgeschöpft. Die Arbeitslosenrate ist im Dezember im Vergleich zur Vorjahresperiode sogar um 20 Prozent gesunken, während die Arbeitslosigkeit insgesamt stark angestiegen ist.

Die Qualität der Ausbildung in Österreich ist auch ein wichtiger Faktor bei der geplanten Reform der Gewerbeordnung. In Österreich sind die Zugangsvoraussetzungen zum Selbständigsein im Gastgewerbe im Zuge des EU-Beitritts 1994 bereits liberalisiert worden.

Die gänzliche Abschaffung der Zugangsvoraussetzungen sei in Zeiten, in denen zum Beispiel die Lebensmittelsicherheit bei Konsumenten immer wichtiger wird, kontraproduktiv. Die Reform der Gewerbeordnung im Bereich des Tourismus, der dem internationalen Wettbewerb standhalten muss, sei im Sinne einer Entbürokratisierung jedoch sehr zu begrüßen. Als Beispiele können die Sperrzeitenregelung, die Gastgartenöffnungszeitenregelung oder auch das viel zu langwierige Betriebsanlagengenehmigungsverfahren aufgezählt werden.

Die Marketing-Organisation der Österreich Werbung wurde völlig neu strukturiert und ist auf bestem Wege, weltweites Vorbild zu werden. Für die Wirtschaftskammer ist es ein besonderes Anliegen, die Außenstellennetze der Wirtschaftskammerorganisation und der Österreich Werbung zusammenzuführen. Der Prozess der Zusammenlegung der Netze soll bis Ende 2003 abgeschlossen werden.

Mit Beginn der Sommerferien 2003 wird es zu einer Kollision der österreichischen Ferientermine mit denen einiger deutschen Bundesländer kommen. Dies kann zu Überbuchungen und höheren Preisen aufgrund der Nachfrage führen, warnte Schenner: "Schon seit Jahren fordert die heimische Tourismuswirtschaft eine vernünftige europaweite Abstimmung der Ferientermine".

"Mit der neuen Struktur unserer Organisation durch die Kammerreform werden wir versuchen, im Jahr 2002 die Interessen unserer Mitglieder noch besser zu vertreten. Unsere Ziele sind eine Aufstockung der Saisonnierquote, eine sinnvolle Umsetzung der Abfertigung neu, die Ausarbeitung eines vernünftigen Konzepts zur geplanten Steuerreform 2003 und die Organisation eines Architekturwettbewerbs zum "UNO-Jahr der Berge 2002" gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium", schloss Schenner. (hp)

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