Danke, Milos!

WirtschaftsBlatt Kommentar von Daniela Friedinger

Wien (OTS) - Endlich ist der Tag danach gekommen. Mit der Eintragungsfrist zum Temelin-Volksbegehren und dem grossen Rätselraten, ob denn die Million geknackt werde, ist Schluss. Jetzt gilt es nur noch "Danke, Milos" zu sagen. Die FPÖ etwa könnte dies tun. Und ihren alten Slogan "Danke. Jörg" dadurch ersetzen. Denn neben der grössten Zeitung des Landes, der bei der Suche nach angeblichen Unterzeichnern freilich schon die Luft ausging, erhielt die FPÖ die grösste Schützenhilfe von jenseits der Grenze.

Genau genommen sollten aber auch die Volksbegehrens-Gegner über die Äusserungen des tschechischen Premiers Milos Zeman dankbar sein. Natürlich nicht dafür, dass er Jörg Haider als Pro-Nazi-Politiker und die Sudentendeutschen als Landesverräter beschimpfte. Aber jeder Europa-Befürworter könnte dankbar sein, dass Zemans Entgleisungen aufzeigen, an welch seidenem Faden die österreichisch-tschechischen Beziehungen hängen. Schliesslich geht es um viel mehr als das AKW Temelin, das zugegeben ärgerlich, aber nur eines von 44 Kernkraftwerken ist, vor denen die Österreicher Angst haben müssten.

Obzwar die FPÖ die Atomkraft vorschützte, verhehlte sie durch die Androhung eines Vetos zum tschechischen Beitritt gar nicht, dass es eigentlich um die EU-Erweiterung geht. Und dabei wäre eine Erweiterung ohne Tschechien, wie sie Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer vorschlägt, für Österreichs Interessen ein Eigentor. Gerade zu Tschechien haben österreichische Unternehmen in den vergangenen zehn bis zwölf Jahren hervorragende Wirtschaftsbeziehungen aufgebaut.

So hat die OMV den zweiten Rang am tschechischen Tankstellenmarkt erobert, die Erste Bank sich in die dortige Bankenlandschaft eingekauft. Und verschiedenste Ketten, von baumax bis Billa, sind ohnehin längst präsent. Die Industriellenvereinigung warnt daher zurecht vor dem Wegwerfen einer Jahrhundertchance, würde man den EU-Beitritt des nördlichen Nachbarn blockieren. Schliesslich, so rechnete der Linzer Volkswirtschaftler Friedrich Schneider vor, würde der Beitritt Tschechiens allein dem Nachbarn Österreich 1,3 Prozent mehr Wirtschaftswachstum pro Jahr bescheren. Ohne Tschechien wiederum würde das Bruttoinlandsprodukt 349 bis 577 Millionen Euro weniger betragen. Dafür müsste man sich dann freilich bei Jörg gehörig bedanken.

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