Theaterproduktion "SCHLUSSSTRICH - Eine Abrechnung" im Jüdischen Gemeindezentrum am 13. & 14.2.2002

Wien (OTS) - Wortprotokolle und Reden österreichischer Regierungsmitglieder von 1945 bis 1955 - mit Susi Nicoletti, Herbert Föttinger, Wolfgang Hübsch und Erwin Steinhauer

Mit Texten von Leopold Figl, Karl Renner, Julius Raab, Adolf Schärf u.a. sowie einem Prolog von Theodor Körner

Buch & Regie
Thomas Gratzer

Mit: Susi Nicoletti, Herbert Föttinger, Wolfgang Hübsch und Erwin Steinhauer

im Jüdischen Gemeindezentrum
Israelitische Kultusgemeinde
1010 Wien, Seitenstettengasse 2

Vorstellungen:
13.2.2002 & 14.2.2002
Beginn: 19:30 Uhr

Karten EURO 22,- (ATS 302,73,-)
Reservierung unter Tel: 531 04/104 Fr. Plistiev

Eine Produktion von kis.productions (Gernot Lechner und Wolfgang Sturm)

Am 25. Oktober 2001 fand die Premiere der szenischen Aufführung SCHLUSSSTRICH im Staatsvertragssaal im Belvedere mit großem Erfolg statt. Nun wird diese Poduktion an zwei Tagen im Februar im Jüdischen Gemeindezentrum (Seitenstettengasse 2) zu sehen sein.

Zur Produktion:
Chef-Sitzungen im wiedererstanden Österreich. Das Thema: Wie drücken wir uns erfolgreich vor der Mitverantwortung an der "großen Verwirrung" der Jahre 1938 - 1945 und machen "das Ausland" dafür verantwortlich? Denn was nützen der schönste Staatsvertrag und die tollsten Bilanzzahlen in der österreichischen Erfolgsstory, wenn die "Ostküste" immer wieder die alten "G'schichten" aufwärmt?

Nach der erfolgreichen Produktion "Pogrom - Der Wirtschaftsthriller" - ein dramatisches Stenogramm der "Besprechung über die Judenfrage" vom 12. November 1938 in Berlin - die 2000 u.a. in der Wiener Börse und im Parlament zu sehen war und vom ORF aufgezeichnet wurde, wagte sich der Regisseur Thomas Gratzer an die nicht minder brisanten Ministerratsprotokolle aus den Jahren 1945 bis 1955.

Am 27. April 1945 wurde mit dem Verlesen der ersten Regierungserklärung der II. Republik der Mythos von Österreich als "Opfer" des Nationalsozialismus begründet. Ausgehend von dieser Behauptung wird anhand der Ministerratsprotokolle ab 1945 klar, dass schon die Gründer der zweiten Republik nicht ernsthaft interessiert waren, die geschädigten, ausgeplünderten und noch überlebenden Juden zu unterstützen.

Österreich wollte die "Sache in die Länge ziehen" und hoffte, dass diese Angelegenheit irgendwann vergessen sei, und der Schlussstrich sich von selbst ziehen würde. Die Wortmeldungen prominenter österreichischer Politiker der Nachkriegszeit sind klare Zeugnisse des auch nach 1945 fortwirkenden Antisemitismus in diesem Land.

Die Protokolle aus dem Ministerrat, die Reden der Gründerväter sowie die O-Töne der verschiedenen Politiker erinnern in ihrer Perfidie an Sequenzen und Szenen aus Karl Kraus' bissiger Satire "Die letzten Tage der Menschheit".

Verantwortung und Aufarbeitung bzw. eine Auseinandersetzung mit den Untaten an Millionen Menschen stehen nicht im Vordergrund der Interessen der Volksvertreter. Vielmehr geht es um kollektive Reinwaschung, Schuldzuweisungen an "fremde Mächte" und nie überwundene Ressentiments gegenüber "den Juden".

Kategorien wie Moral, Ethik und Aussöhnung sind auch heute, fast 60 Jahre nach der offiziellen Abschwörung "der großen Verwirrung" nach wie vor bloße Lippenbekenntnisse und Imagebildung um am internationalen Tanzparkett nicht endgültig auszurutschen. Was den Gründervätern der Wodka war, ist dem derzeitigen Österreich das Lächeln und Schweigen.

Allerdings scheinen die Chancen für den endgültigen "Schlussstrich" gut zu stehen: Die Einigung in Bezug auf Restitutionsfragen ist für die derzeitige österreichische Regierung ein willkommenes Marketing-Argument für ihre internationale Reputation. Und die Anspruchsberechtigten dezimieren sich stündlich durch natürliche Abgänge.

Rückfragen & Kontakt:

Fr. Mag. Sabine Kiesling
Tel.: 01/531 04/180
Israelitische Kultusgemeinde

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