Afghanistan: Hoffnung nach der Friedhofsstille

RI-Workshop über Zukunft Afghanistans und österreichische Hilfe zum Wiederaufbau

Wien (SK) Sicherheit, Arbeit und Bildung sind die zentralen Fragen der Menschen in Afghanistan, denn nach 23 Jahren Krieg und Bürgerkrieg gibt es zwar 17 Millionen Minen und nicht explodierte US-Streubomben, aber keine intakte Hauptverkehrsstraße, keinen Handel und äußerst wenig handwerkliche Produktion. Vor dem Hintergrund der geplanten internationalen Hilfe für das kriegszerstörte Land fand am Wochenende ein Workshop des Renner-Instituts über die Zukunft Afghanistans statt. Österreichische Hilfsorganisationen berieten mit dem Österreichischen Afghanistan-Komitee, wie konkrete Wiederaufbauhilfe und die dafür erforderliche Finanzierung am besten organisiert werden kann. ****

Die Straßen sind vermint, deshalb können alle Güter nur auf Feldwegen transportiert werden, berichtete Sibylle Hamann ("profil") im Renner-Institut über ihre jüngsten Erfahrungen in Afghanistan. Von Herat nach Kandahar muss man durch sechs verschiedene Clan-Gebiete, die "im besten" Fall nur Wegzoll verlangen. Die "war lords" rekrutierten ihre Soldaten meist nur um eine warme Mahlzeit am Tag und viele 17-, 18-jährige Burschen wurden Talebs, weil sie oder ihre Familien sonst von Tod und Terror bedroht wurden. Nach 23 Jahren bewaffnetem Konflikt war Kämpfen die einzeige "Berufsperspektive" für männliche Jugendliche. Mädchen wurden verkauft, missbraucht und hatten keinerlei Anspruch auf ein eigenständiges Leben.

Die heutige Situation, die historischen und sozialen Hintergründe, die Lage der afghanischen Frauen und die Möglichkeiten Österreichs, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, wurden bei dem Workshop vom Politikwissenschafter Sarajuddin Rasuly, Sibylle Hamann, der Ethnologin Gabriele Rasuly-Paleczek sowie der iranischen Filmemacherin und Autorin Siba Shakib beleuchtet.

Die Notwendigkeit des sicheren Zugangs zu den Regionen, in denen Hilfe geleistet werden soll und die dafür erforderliche Zusammenarbeit mit afghanischen Vertrauenspersonen wurde auch von den Hilfsorganisationen unterstrichen, die in Afghanistan tätig sind, wie "Ärzte ohne Grenzen", "Care Österreich", das "Hilfswerk" oder das "Rote Kreuz". Vordringlich sind die Entminung des Landes, der Aufbau der Bewässerungsanlagen und der Landwirtschaft, die Bildung und Ausbildung von Mädchen und Buben und die Möglichkeit, "den Lebensunterhalt ohne Kalaschnikow sichern zu können".

Das "Hilfswerk" hat etwa von Duschanbe aus die Produktion von Decken und Winterkleidung durch afghanische Flüchtlinge organisiert, die dann im Norden Afghanistans verteilt wurden, um die Menschen über den Winter zu bringen.

Das österreichische Afghanistan-Komitee will sich vor allem auf Nordostafghanistan mit seinen Hilfsmassnahmen konzentrieren. Auf die Provinzen Kunduz und Takhar, die nicht nur durch die jüngsten US-Bombardements im Kampf gegen die Taliban zerstört worden sind, sondern schon in den vergangenen drei Jahren Schauplatz des Krieges zwischen Taliban und Nordallianz waren. Hier soll ein Netzwerk von Schulen entstehen und die agrarische und Verkehrsinfrastruktur wiederaufgebaut werden.

Da der Beitrag der Bundesregierung an die internationale Hilfe geht, stehen jetzt keine Mittel der öffentlichen Hand für die konkreten Aufbauprojekte der Hilfsorganisationen zur Verfügung und sind Spenden für die Finanzierung erforderlich.

Bei der Generalversammlung des Österreichischen Afghanistan-Komitees am vergangenen Wochenende wurde Gabriele Rasuly-Paleczek an Stelle des früheren oberösterreichischen SPÖ-Vorsitzenden Fritz Hochmayr zur Vorsitzenden gewählt. Stellvertreterinnen sind die Abgeordneten der Parlamentsparteien Elisabeth Hlavac (SPÖ), Ilse Burket (FPÖ), Edeltraud Gatterer (ÖVP) und Ulrike Lunacek (Grüne).

Das Komitee ersucht um Spenden für diese konkreten Hilfsprojekte:
Bank Austria: BLZ 20151, Ktnr.: 501-358823/00.

(Schluss) nf/mp

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Tel.: 01/53427-275

Pressedienst der SPÖ

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