Österreichs Hilfe für Afghanistan zur Frauenförderung, Entminung und Drogenkontrolle

FERRERO-WALDNER setzt in Tokio 3 Schwerpunkte für Verwendung österreichischer Mittel

(Tokio - OTS) Außenministerin Benita Ferrero-Waldner erklärte heute in Tokio, daß die von Österreich zur Verfügung gestellten Mittel für den Wiederaufbau in Afghanistan in drei Schwerpunktbereichen Verwendung finden sollten. Nämlich, Förderung von Frauen und Frauenrechten, Entminung und Drogenkontrolle.

Förderung von Frauen und Frauenrechten: Die Situation der Frauen in Afghanistan hat sich während der letzten 20 Jahre dramatisch verschlechtert. Sie leiden besonders stark unter den Folgen des Bürgerkriegs und unter dem Taliban Regime wurden ihre Grundrechte systematisch eingeschränkt. So wurde den Frauen sukzessive der Zugang zu Erwerbstätigkeit, Ausbildung, Gesundheitsversorgung und zum öffentlichen Leben insgesamt verwehrt. "Dass Frauen ihr Haus nur in Begleitung von Männern und mit Purkha (Ganzkörperverschleierung) verlassen durften, ist ein nach außen sichtbares Zeichen für die Unterdrückung der Frauen in allen Lebensbereichen. Besonders stark haben z.B. die Witwen unter diesen Repressionsmaßnahmen gelitten.Wir müssen den afghanischen Frauen daher helfen ihre Rechte und ihr Gesicht wieder zu erlangen" so FERRERO-WALDNER, "eine Gesellschaft ohne Frauen kann und darf es heute nicht mehr geben."

Umso erfreulicher ist es für FERRERO-WALDNER, dass afghanische Frauen die Chancen, die sich nach Ende des Taliban Regimes ergeben haben, nützen und aktiv am Wiederaufbau ihres Landes mitarbeiten wollen. FERRERO-WALDNER: "Wir werden diese Frauen unterstützen und uns einerseits dafür einsetzen, dass Frauen in politische Entscheidungsprozesse eingebunden werden und dass Frauenrechte in Zukunft respektiert werden. Andererseits werden wir Projekte in den Bereichen Ausbildung und Basisgesundheitsversorgung, von denen Frauen direkt profitieren können, finanzieren."

"Ich weiß aus unserer bisherigen Erfahrung wie heikel und
sensibel dieser Bereich ist" sagte die Außenministerin. Bei der Betreuung afghanischer Flüchtlingsmädchen in Pakistan hat es sich z.B. als sehr schwierig erwiesen diese in Lesen, Schreiben und Rechnen zu unterrichten, da ihre Eltern die Ausbildung handwerklicher Fähigkeiten als viel wichtiger erachteten, Lesen jedoch für die Zukunft eines afghanisches Mädchen eher als hinderlich galt. "Wir hatten sogar gewalttätige Proteste der Eltern", so FERRERO-WALDNER "In der Entwicklungszusammenarbeit haben wir aber gelernt, dass mitunter auch Umwege zum Ziel führen: Wir bringen diesen Mädchen nun handwerkliche Fähigkeiten bei und so nebenbei lernen sie bei uns auch das Lesen. Manche Eltern tolerieren das, anderen sagen wir das gar nicht. So müssen wir auch in Afghanistan vorgehen: behutsam und doch mit einem klaren Ziel vor Augen", sagte die Außenministerin.

Zusätzlich bietet Österreich 10 Stipendien für afghanische Frauen im Rahmen des Österreichischen Studienförderungsprogrammes an. "Investitionen in eine qualitativ hochwertige Ausbildung sind ein Beitrag, um den afghanischen Frauen die qualifizierte Teilnahme am Wiederaufbauprozess in ihrem Land zu ermöglichen" so FERRERO-WALDNER.

Entminung: Afghanistan gehört zu den am stärksten verminten Länder der Erde. Die Gefährdung der Bevölkerung hat außerdem durch am Boden verstreute scharfe Streumunition wesentlich zugenommen. Nach jüngsten Schätzungen ist eine Fläche von über 800 km² afghanischen Gebiets durch Minen und andere militärische Altlasten des Krieges betroffen. Minen wurden um die wichtigsten Städte und entlang der Frontlinien verwendet. Ein großer Teil von landwirtschaftlichem Gebiet, Weide-, Wohn- und Marktgebiet sowie Straßen und Wasserwege in vielen Teilen des Landes sind dadurch der Nutzung durch ihre Bewohner entzogen und auf Dauer bis zu ihrer Räumung für die Zivilbevölkerung unbrauchbar.

Laut Schätzungen sollen in Afghanistan rund 200.000 Personen
Opfer von Minenunfällen geworden sein, allein im Jahr 2000 waren es über 1.000 Personen, ungefähr die Hälfte, waren Kinder. Die Zahl der zivilen Opfer dieser Unfälle könnte sich in Zukunft noch deutlich erhöhen.

"Österreich verfügt über hervorragende Technologie im Bereich der Minensuche. Seit 1994 unterstützen wir Entminungsprogramme der Vereinten Nationen in Afghanistan. Da Entminung die Voraussetzung für Wiederaufbau, für die Entwicklung der Landwirtschaft und die Rückkehr von Flüchtlingen ist, werden wir einen wesentlichen Schwerpunkt unserer Hilfe für Afghanistan in diesem Bereich konzentrieren" sagte FERRERO-WALDNER. So wird beispielsweise Entminungsgerät im Wert von € 200.000 zur Verfügung gestellt.

Drogenkontrolle: Während der letzten zehn Jahre war Afghanistan gemeinsam mit Myanmar Hauptproduzent von Opiaten. Im Jahr 1999 betrug die mit Schlafmohn bepflanzte Fläche 90.000 ha (ca. die Hälfte des Weltanbaus). Die Opiumproduktion war mit 4500t die mit Abstand größte und machte mehr als 80% der weltweit gewonnenen Menge dieser Droge aus. Ein Großteil dieses Opiums wurde zu Heroin weiterverarbeitet und nach Europa geschmuggelt.

Nach einem durch die Taliban auf internationalen Druck erlassenen Anbauverbot ging die Opiumproduktion zwar kurzfristig drastisch zurück, sie kann jedoch mit jeder Pflanzsaison wieder auf ihr altes Niveau hinaufschnellen. Deshalb ist es wichtig, dass die internationale Gebergemeinschaft Afghanistan im Kampf gegen Drogenanbau und Drogenhandel unterstützt und den verarmten Bauern Perspektiven bietet, andere Produkte mit glaubhaften Marktchancen anzubauen. "Es ist mehr als unsere moralische Pflicht die Landwirten in Afghanistan dabei zu unterstützen Alternativen zum Drogenanbau zu finden. Es liegt auch in unserem Interesse, man kann niemandem, der um das blanke Überleben kämpft, mit moralischen Argumenten vom Drogenanbau abhalten" so FERRERO-WALDNER.

Wien ist Sitzstaat des UNDCP (UN Drug Control Program), das sich seit Jahren um die Eindämmung des Drogenanbaues und -konsums bemüht. "Wir haben daher eine wichtige Funktion um zu diesen Bemühungen beizutragen und ich habe mich in Tokio dafür eingesetzt, daß die Durchführung und Kontrolle dieser Programme über die in Wien ansässige UN-Behörde erfolgt. Diese Behörde verfügt über die Erfahrung und das Wissen im Kampf gegen Drogenanbau und -handel, jetzt soll sie ihre Aufgabe in Afghanistan wahrnehmen", so FERRERO-WALDNER (Fortsetzung).

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