"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ende der Ära Prock"

(Von Markus Schramek) Ausgabe vom 21. 1. 2002

Innsbruck (OTS) - Herbert Procks Ära an der Spitze der Tiroler SPÖ geht zu Ende. Noch wehrt sich der Obmann gegen seine Abwahl. Doch der Widerstand in der Partei ist groß. Da ist nichts mehr zu kitten. Mit Prock wird die SPÖ nicht in die Landtagswahl gehen.

Prock ist eines der größten Talente im Arbeitsbereich der Landespolitik. Ausgestattet mit rhetorischem Rüstzeug und strategischem Gespür, machte er die SPÖ seit 1994 zu einer fixen Größe im Lande. Die Partei wurde ernst genommen. 1999 erhielt sie Koalitionsverantwortung. Und damit begannen die Schwierigkeiten.

Auf Gedeih und Verderb lieferte sich Prock seinem Pendant bei der Volkspartei aus. Mit LHStv. Ferdinand Eberle bildete Prock eine Achse gegen den ungeliebten Regierungschef Wendelin Weingartner. All ihre Kraft investierten die beiden Kronprinzen in den Sturz des Throninsassen. Über ein Jahr lang manifestierte sich der Machtkampf in einem absurden Schlagabtausch über die Landes-Hypo. Die Folgen sind bekannt: Bei der VP wurde Eberle als Obmann zum Rücktritt getrieben. Und jetzt erwischt es Prock bei der SPÖ.

Die Schuld hiefür muss Prock bei sich alleine suchen. Die Partei hat ihn deutlich gewarnt. Nur noch magere zwei Drittel der Stimmen konnte Prock beim Parteitag 2000 für sich verbuchen. Entsetzt über dieses Votum, gelobte Prock den Genossen Besserung. Er blieb sie schuldig. Stattdessen kam er ins Gerede. Ob durch Stänkereien am Wirtshaustisch oder durch Verdächtigungen mafiosen Handelns in der Causa Thöni. Prock mag all dies als zutiefst ungerecht empfinden. Doch seiner Partei reicht es. Sie wendet sich ab.

Der Kampf um Procks Nachfolge hat begonnen. Die Entscheidung wird schwierig. Die SPÖ hat Personal. Doch für die Obmannanwärter Hannes Gschwentner, Klaus Gasteiger oder Franz Reiter gilt ein und dasselbe:
Sie sind eher lokale Größen als landespolitische Fixsterne. Denn der Platz ganz oben war lange Zeit unbestritten jener Herbert Procks.

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