"Kleine Zeitung" Kommentar: "Gute Menschen" (von Günter Lehofer)

Ausgabe vom 21.01.2002

Graz (OTS) - Wenn von den Bildschirmen hungrige Kinderaugen
schauen, dann steigt die Spendenbereitschaft. Wenn dann die Opfer noch zu den guten Menschen dieser Welt gehören und ihre bösen Peiniger "von uns" besiegt worden sind, ist der Ausbruch des irdischen Paradieses nur noch eine Frage der Zeit. Heute beginnt in Tokio die Geberkonferenz für Afghanistan.

Die deutsche Regierung sagte immerhin 320 Millionen Euro (4,4 Milliarden Schilling) zu. Das ist kameragerecht und herzkorrekt. Alle anderen Staaten guten Willens und guter Kasse schließen sich an. Wer aber Geberkonferenzen kennt, weiß, dass viel mehr Geld versprochen als ausgezahlt wird.

Nun ist das nicht immer nur den Gebern anzulasten. Auch die Beschenkten zerfallen in Klassen. Da sind die Ohnmächtigen, die nur hoffen können. Da sind die relativ Mächtigen, die von Hilfsgeldern viel abzweigen können. Es ist nicht unmoralisch, dass ein Spender sich darum kümmert, was mit seinem Geld geschieht. Für afghanische Schulen gehört gespendet, für afghanische Kriegsherren darf man sparsam sein.

Wie sich das organisieren lässt, ist leider in der Praxis oft viel schwieriger, als es sich ein guter Mensch vorstellen kann. ****

Rückfragen & Kontakt:

Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.atKleine Zeitung

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ/PKZ