"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: Erfolg macht sexy"

(von Kurt Horwitz) - Ausgabe vom 21.01.2002

Schwarzach (OTS) - Alexander Van der Bellen, Wirtschaftsprofessor und seit 1997 Parteichef der Grünen, hat auf allen Linien gesiegt: Er ist beim gestrigen Bundeskongress in seiner Tiroler Heimat mit dem Rekordergebnis von 90,5 Prozent als Bundessprecher bestätigt worden, er hat den einst zerstrittenen Haufen hinter sich geeint - und er hat aus den Grünen eine Partei wie jede andere gemacht.

Van der Bellen weiß genau, was er will. Seine leise Art darf nicht täuschen: Er setzt seinen Willen mit eiserner Gewalt durch. Die bei der Basis beliebte Madeleine Petrovic wurde vor wenigen Tagen handstreichartig nach Niederösterreich abgeschoben, die bisher nicht vorgesehen gewesenen Stellvertreter des Bundessprechers und ein Team für eventuelle Regierungsverhandlungen werden vom erweiterten Bundesvorstand bestimmt werden. Mit diesen Beschlüssen hat der Bundeskongress dem Parteichef die fast alleinige Macht übertragen.

Erfolg macht eben sexy: Der leise Professor ist derzeit neben Wolfgang Schüssel der mächtigste Parteichef des Landes. Wo Riess-Passer erst das Einvernehmen mit ihrem "einfachen Parteimitglied" aus Kärnten herstellen und Alfred Gusenbauer sich vor den diversen sozialdemokratischen Fraktionen rechtfertigen muss, kann Van der Bellen Kraftakte setzen.

Das wird gut gehen, so lange seine Erfolgssträhne anhält und die Grünen Wahlen gewinnen. Die ersten Niederlagen oder der Rückzug des Professors von der Parteispitze würden schnell die Schwäche der Grünen aufzeigen: Hinter Van der Bellen herrscht gähnende politische Leere. Ein auch nur annähernd so charismatischer Stellvertreter oder gar Nachfolger ist nicht in Sicht.

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