WirtschaftsBlatt-Kommentar: Finanzmärkte beobachten Euro mit Argus-Augen von Ruth Reitmeier

Wien (OTS) - Allein die Überlegung seitens der EU-Kommission, Deutschland wegen seiner miserablen Budgetlage vorzuwarnen, hat den Euro ins Trudeln gebracht. Dabei ging es aber eben nur um eine Vorwarnung. Damit wird ein Euro-Mitglied formell darauf hingewiesen, dass seine Defizitwerte vom ursprünglichen Ziel abweichen. Anders als bei der Rüge sind konkrete Forderungen zur Änderung der Politik damit aber noch nicht verbunden. Die Finanzmärkte reagierten trotzdem nervös. Der Euro sank kurzfristig sogar unter die magische Marke von 0,88 Cents zum Dollar.

Warum eigentlich? "Es ist einfach so. Bei den USA reagieren die Märkte auf die guten Nachrichten, bei der Euro-Zone auf die schlechten", sagt eine Analystin. Die Euro-Zone muss also viel mehr leisten, damit die Finanzmärkte Vertrauen fassen. Vorschusslorbeeren gibt es keine. Experten gehen davon aus, dass es mindestens einen Konjunkturzyklus lang dauern wird, bis der Euro an den Devisenmärkten so weit etabliert ist, dass nicht jede kleine Störung mit Argus-Augen beobachtet wird, und der Wechselkurs bei jedem Lüfterl unter Druck gerät.

So gesehen war das deutsche Budgetmalheur vielleicht ganz heilsam. Es hat der Euro-Mitgliedern vor Augen geführt, wie sensibel die Märkte reagieren. Das dürfte den gefährdetsten Budgetsündern Deutschland und Portugal sowie allen anderen Euro-Staaten, die es noch werden könnten (vor allem Italien und Frankreich) als Warnung dienen, alles daran zu setzen, dass die im Euro-Stabilitätspakt verankerte Drei- Prozent- Defizitgrenze unterschritten wird.

Der nächste Kursrutsch droht dem Euro, sobald die Inflationswerte für Jänner offiziell werden. Es gibt noch keine Zahlen, aber Marktbeobachter haben "so ein Gefühl im Bauch", dass der Euro-Start im Jänner für einen deftigen Preisanstieg gesorgt hat. Die Angst vor negativen Überraschungen geht um. Sollte die Inflation tatsächlich stark anziehen, wird auch die für Februar erwartete Zinssenkung der Europäischen Zentralbank ausbleiben. Aufwind könnte der Euro allerdings aus Übersee bekommen. Mehrere Zentralbanken, darunter die chinesische, haben angekündigt ihre Währungsreserven zu Gunsten des Euro umzuschichten. Werden US-Dollar im grossen Stil verkauft und dafür Euro gekauft, stärkt das den Kurs des Euro zum Dollar.

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