"Kleine Zeitung" Kommentar: "Advokaten-Not" (von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 19.1.2002.

Graz (OTS) - Bis zum nächsten Mal ist wieder alles Wonne und Waschtrog. Dass ausgerechnet an Andreas Khol die "Wende"-Ehe zerbrechen sollte, wäre ja auch ein Treppenwitz gewesen.

Jörg Haider hat sich beeilt, dem schwarzen Klubchef zu versichern, dass die Rücktrittsaufforderung gar nicht so gemeint war. Das p.t. Publikum habe halt die Vorbedingung überhört: Wenn schon einer abzutreten habe, dann nicht er, sondern ein Abgeordneter, "der zum Rechtsbruch aufgerufen hat". Einen Anlass zu gehen gebe es in beiden Fällen nicht.

Andreas Khol seinerseits beteuert, dass er vor zehn Jahren nur die Rechtslage erklärt und keinesfalls den Tipp zum Tempobolzen gegeben habe, um so die Ortstafelverordnung auszuhebeln.

Einfachere Gemüter lernen gleich zweierlei.

Erstens gilt in der Politik eine spezielle Relativitätstheorie:
Jede Aussage ist absolut für bare Münze zu nehmen. Aber wenn's höheren Interessen dient, gilt das genaue Gegenteil. "Wahrheiten" sind dann deutbar, allenfalls Missverständnisse.

Zweitens müssen sich Politiker - und sei es auch nur unbezahlt als Winkeladvokat. Erklärungen können noch viele Jahre später zum Erklärungsnotstand führen.****

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