Jung: Pleiner-Kritik an Heeresstruktur sollte mit Selbstkritik verbunden sein

Wien, 2002-01-18 (fpd) - Der freiheitliche Wehrsprecher, Abg.z.NR Bgdr Wolfgang Jung, bemängelt beim Interview des Generaltruppeninspektors Pleiner im "Kurier" zur verfehlten Heeresstruktur ("... zu viel schweres Gerät ...") die fehlende Selbstkritik des höchsten Offiziers. ****

"Als in der großen Koalition unter Minister Fasslabend die Beschaffungen des Großgerätes, vor allem der Artillerie (M-109) und des Raketenjagdpanzers erfolgten, war Pleiner bereits als einer der damaligen Spitzenmilitärs in einer entscheidenden Funktion. Ich kann mich an keinerlei Kritik seinerseits an den Käufen erinnern - im Gegenteil! Dabei hat sich das militärische Umfeld seither nicht mehr grundlegend geändert", meinte Jung.

"Natürlich müssen Strukturänderungen auch bei der Truppe erfolgen, aber gerade bei den wenigen noch voll strukturierten und am leistungsfähigsten Verbänden, den zwei Panzergrenadierbrigaden anzusetzen, ist nicht der richtige Weg. Derartige Äußerungen führen nur zu unnötiger Unruhe bei der Truppe. Offenbar wird bei einigen Spitzenmilitärs vergessen, wie schnell sich das Umfeld (siehe 1991) ändern kann, und daß dann zum Schutze Österreichs anders strukturierte Kräfte gebraucht werden, als jetzt in Afghanistan. Deshalb sieht die Sicherheitsdoktrin auch ausdrücklich aufwuchsfähige Kräfte und die Beibehaltung des gesamten militärischen Spektrums vor", meint der freiheitliche Wehrsprecher und stellt abschließend fest: "Das Bundesheer soll sich nicht zu sehr auf polizeiähnliche Aufgaben konzentrieren und auch nicht das andere Ende der Welt als Haupteinsatzgebiet sehen. Österreich ist keine Großmacht und hat auch keinen Bündnispartner einer solchen. Unsere sicherheitspolitischen Interessen sind andersgeartet und liegen im europäischen Umfeld. Der "11. September" ist ein Ausnahmefall und ein klassisches Großmachtsproblem. Wenn sich die Streitkräfte kleinerer Staaten zu sehr an solchen Bedrohungen orientieren, besteht die Gefahr, daß sie sich auf eine falsche Anforderung vorbereiten. Darum begrüße ich, daß Bundesminister Scheibner die Afghanistanmission ausdrücklich nicht als Dauerauftrag bezeichnet hat und diese möglichst schon nach 6 Monaten beenden möchte." (Schluß)

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