"Lawinenpiepse" im Test - Verschüttete überleben nur bei rascher Bergung

Wien (OTS) - Rund 80% aller Lawinen betreffen Tourengeher,
Skifahrer oder Snowboarder abseits der Pisten. Hohe Überlebenschance für Verschüttete besteht lediglich innerhalb der ersten Viertelstunde. Das Lawinen-Verschütteten-Suchgerät ("Lawinenpieps") ermöglicht rechtzeitiges Finden. In Labor- und Praxistests wurden die elektronischen Lebensretter auf Herz und Nieren geprüft.

Tiefschnee und unverspurtes Gelände abseits der Pisten locken Tourengeher, Skifahrer und Snowboarder - aber nur wenige sind für den Fall eines Lawinenabganges gerüstet. In der Saison 2000/2001 wurden bei 70 Unfällen 104 Menschen erfasst, 26 verletzt und 22 getötet (Österreichisches Kuratorium für alpine Sicherheit). Die meisten Verunglückten sind Skitourengeher, aber in zunehmendem Maß auch Snowboarder und Skifahrer, die Abfahrts-Varianten abseits gesicherter Pisten wählen. "Werden Verschüttete rasch geborgen, besteht eine hohe Überlebenschance. Nach 15 Minuten leben noch mehr als 90%. Nach 35 Minuten sinkt dieser Wert dramatisch - lediglich 30% können lebend geborgen werden. Vor allem der Kameradenrettung, das ist die Rettung durch begleitende Personen, kommt eine große Bedeutung zu - immerhin zwei Drittel der Verschütteten können dabei mit dem Lawinenpieps lebend geborgen werden", weist Dr. Rupert Kisser, Leiter des Instituts "Sicher Leben" auf die Bedeutung eines Lawinen-Verschütteten-Gerätes (LVS-Gerät) hin. Dieses soll abseits der Piste immer mitgeführt werden.

Wie geeignet sind LVS-Geräte?

Pieps ist nicht gleich Pieps. Auch bei elektronischen Lebensrettern gibt es qualitative Unterschiede. Welche, macht eine Untersuchung des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), des Institutes "Sicher Leben", der Naturfreunde Österreich und des Institutes für Lawinen-und Wildbachforschung der FBVA (mit Förderung des Staatssekretariates für Tourismus) deutlich. LVS-Geräte bestehen im Wesentlichen aus einem Sender und einem Empfängerteil, sind in ihrer Funktion gleich, miteinander kompatibel, unterscheiden sich aber hinsichtlich ihrer Handhabung und Ausstattung. "Der Praxistest zeigt, dass grundsätzlich alle im Handel erhältlichen Geräte im Falle einer Verschüttung geeignet sind. Es wurden aber auch Mängel und Kritikpunkte erhoben", präsentiert Projektleiter Ing. Franz Gibler die Ergebnisse.

Batterie-Ladezustand: Bei manchen Geräten musste das bis zu 35-malige Blinken der Anzeige mitgezählt werden, um die noch vorhandene Kapazität der Batterie zu erkennen. Bedienungselemente:
Elemente waren zu klein, zu unhandlich und kaum mit den Fingern zu fassen. Verpolungssicherheit: Bei falschem Einlegen wurde Entladung bzw. Auslaufen der Batterien festgestellt Beschriftung: Erwies sich teilweise als unverständlich bzw. ohne Aussagekraft. Handhabung bei der Bedienung: Selbst bei den neuesten Geräten am Markt wurde die Handhabung der Geräte nur mit "gut" beurteilt, da sich diese bei tiefen Temperaturen, vor allem mit Handschuhen oft als schwierig erwies. Tragegurt/Tragesystem: Nur ein Tragesystem wurde mit "sehr gut" beurteilt; am schlechtesten beurteilt wurde ein System, bei dem für den Suchvorgang erst der Bauchgurt gelöst und das Gerät unter der Überbekleidung hervorgeholt werden muss. Optische und akustische Anzeigen: Für eine sehr gute Beurteilung war eine gute Kombination von klaren, eindeutigen und gut verständlichen optischen und akustischen Anzeigen - auch bei widrigen Bedingungen wie bei sehr hellen oder sehr dunklen Lichtverhältnissen - ausschlaggebend. Drei der getesteten Geräte konnten dieses Kriterium erfüllen. Suchen und Orten: Mit jedem Gerät kann erfolgreich gesucht werden. Voraussetzung dafür ist allerdings die Vertrautheit und regelmäßige Übung. Bei manchen Geräten erscheint zusätzlich ein Richtungspfeil und die Entfernungsangabe auf dem Display. Dass damit die Suche unterstützt wird und wertvolle Zeit gespart wird, steht außer Frage.

Abseits der Piste nie ohne "Lawinenpieps"

"Das LVS-Gerät wird - fälschlicherweise - allzuoft mit einem Talisman gleichgesetzt. Bei einer in den 90er Jahren durchgeführten Untersuchung gaben 44% der Befragten an, dass Ihnen das LVS-Gerät ein Gefühl der Sicherheit gibt" so Dr. Peter Höller vom Institut für Lawinen- und Wildbachforschung der FBVA in Innsbruck. "Leider ist dieses Gefühl ein überaus trügerisches, noch dazu wenn man bedenkt, dass nur etwa 55% der befragten Personen es für notwendig erachten vor jeder Wintersaison mit dem Lawinenpieps zu üben."

"Ein Lawinen-Verschütteten-Suchgerät schützt nicht vor Lawinen und schon gar nicht gegen die Folgen von Leichtsinn und Unwissenheit. Es schützt nicht vor dem verschüttet werden. Es ist ein unentbehrliches Hilfsmittel bei Skitouren und beim Varianten-Skilauf, um verschüttete Kameraden rasch zu finden und zu bergen. Daher abseits der Piste nie ohne Lawinenpieps! Touren brauchen solides Gefahrenwissen, seriöse Planung, Kenntnis der aktuellen Lawinensituation, die Bereitschaft zur Umkehr - und Übung in der Handhabung des LVS-Gerätes und der Rettung von Lawinenopfern.", warnt Staatssekretärin Marès Rossmann.

Schneeschaufel nach Einsatz untauglich

Auch die Schneeschaufel wurde im Zuge des Praxistests auf ihre Tauglichkeit überprüft. Sie ist fixer Bestandteil einer kompletten Tourenausrüstung und das letztlich lebensrettende Werkzeug, wenn es um die Bergung von Lawinenopfern geht.

Neun Lawinen-Schneeschaufeln verschiedener Hersteller wurden getestet:

Lediglich drei von neun Schaufeln wiesen nach der Verwendung keinerlei Beschädigung auf. Bei einer Schaufel verbog sich der Schaufelrand, bei einem anderen Modell brach das Schaufelblatt bereits nach kurzem Einsatz entzwei. Der größte Schwachpunkt ist bei den meisten Modellen der Ansatzpunkt des Stiels an die Schaufel - bei fast der Hälfte der Lawinen-Schneeschaufeln wurde der Stiel im Test an dieser Stelle geknickt, deformiert oder sogar ganz gebrochen. Ist der Stiel einmal durch Knicken beschädigt, ist die Schaufel für weitere Einsätze im Fall der Fälle nahezu unbrauchbar!

Der Großteil der Schneeschaufeln war nach dem Test beschädigt bzw. unbrauchbar. Kaum eine der getesteten Schaufeln ist bei kompakterem Schnee (Nass-Schnee-Lawine) für den Einsatz tauglich. Im Ernstfall sind Hände oder Skier extrem wenig leistungsfähig.

"Lawinen-Verschütteten-Geräte können Leben retten!"

Unter diesem Titel wurde von "Sicher Leben" und dem VKI gemeinsam mit dem Staatssekretariat eine Broschüre produziert, die wertvolle Tipps über die Auswahl und den Kauf von LVS-Geräten erteilt. Die Broschüre ist bei verschiedenen Institutionen erhältlich und kann unter folgender Adresse bestellt werden: Institut "Sicher Leben", Tel.: 01/715 66 44 DW 313.

Rückfragen & Kontakt:

Institut Sicher Leben
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Tel.: (01) 71 770/225

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