Deutsches Handwerk warnt vor "gläsernen Betrieben" durch Basel II Philipp: "Beziehung zwischen Banken und Unternehmern muss völlig neu definiert werden"

Wien (PWK047) - "Die größte Sorge des deutschen Mittelstandes ist nicht, dass die Kosten durch Basel II steigen, sondern dass sie zu gläsernen Unternehmen werden" erklärte Dieter Philipp, Präsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, bei einer Enquete der Wirtschaftskammer Österreich zu den Auswirkungen von Basel II auf die Wirtschaft.

Grundsätzlich sei es vernünftig, durch neue Bonitätsregeln die gesunden Unternehmen von Sanierungsfällen zu unterscheiden. Dies dürfe jedoch nicht dazu führen, dass die Banken eine regelrechte Kundenauslese betreiben, wie dies in Deutschland durch die Diskussion über Basel II bereits erfolge.

Eine Lanze brach Philipp für die Beibehaltung der Meisterprüfung. Nachweislich führen die fachlichen und betriebswirtschaftlichen Qualifikationen der Meister dazu, dass Meisterbetriebe wesentlich seltener in die Insolvenz schlittern, als andere Unternehmen. Damit werde letztlich auch das Banken- und Finanzsystem entlastet.

Philipp warnte davor, Unternehmensgründungen durch scharfe Bonitätsregeln zu gefährden. "Der Schritt in die Selbständigkeit ist entscheidend für die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft. Wer ein Unternehmen gründet, kann in der Regel noch keine gute Bonität nachweisen. Hier muss es im Konsultationspapier zu Basel II noch Nachbesserungen geben", so Philipp.

Generell kann sich der Präsident des ZDH durchaus mit dem Ziel von Basel II anfreunden, die Eigenmittelausstattung zu verbessern. Die Unternehmen können jetzt die Verschiebung des Zeitplanes im Konsultationsprozess dazu nützen, sich auf die geänderten Rahmenbedingungen einzustellen und ihre internen Controllingsysteme zu verbessern. "Durch die neuen Ratings können die Betriebe ihre Schwächen früher erkennen und entsprechend darauf reagieren". Die Kreditinstitute rief Philipp dazu auf, ihr Verhalten gegenüber ihren Kunden zu überdenken und kreativer in der Beratung zu werden. "Die Beziehung zwischen Banken und Unternehmern muss durch Basel II völlig neu definiert werden. Das ist eine große Chance, für die Banken wie für die Unternehmen", so Philipp. (mh)

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