Österreich-Premiere für ORF-geförderte Milieustudie "Hundstage":

Ulrich Seidls preisgekröntes Spielfilmdebüt ab 18. Jänner im Kino

Wien (OTS) - Im Wiener Gartenbau Kino feierte gestern Abend, am Mittwoch, dem 16. Jänner 2002, ein bereits mehrfach international preisgekrönter Kinofilm mit ORF-Beteiligung seine Österreich-Premiere: Der Filmladen, Allegro-Film und die ORF-"Kunst-Stücke" präsentierten Ulrich Seidls kontroverse Milieustudie "Hundstage". ORF-Moderatorin Andrea Schurian führte durch den Abend. Die Premiere fand in Anwesenheit des Regisseurs, des Produzenten Helmut Grasser und zahlreicher Darsteller statt. Unter den rund 700 Premierengästen fanden sich unter anderem Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny, "Klavierspielerin"-Regisseur Michael Haneke, die Produzenten Dieter Pochlatko, Danny Krausz und Dr. Veit Heiduschka, WFF-Geschäftsführer Dr. Peter Zawrel, AFC-Geschäftsführer Martin Schweighofer, der Kaufmännische Direktor des ORF, Dr. Alexander Wrabetz, ORF-TV-Kulturchefin Dr. Haide Tenner, Wolfgang Lorenz, Leiter der ORF-Planung und Koordination, u. v. a.
Die Laudatio auf Ulrich Seidl und seinen jüngsten Film hielt im Namen des ORF Wolfgang Lorenz: "Ulrich Seidl ist ein Mann ohne Vergangenheit - er hat keine erkennbaren filmischen Väter. Er ist phänomenal unvergleichlich. Wollte man trotzdem auf Parallelen bestehen, so fallen mir nur zwei ein: Samuel Beckett in der Literatur und Francis Bacon in der Malerei. Beide Meister der Ausweglosigkeit, der Endgültigkeit und der Lächerlichkeit menschlicher Existenz." Zum Film sagte Lorenz: " 'Hundstage' - diesen Film schaut man sich nicht an, er schaut einen an. Nicht der Film, man selbst ist sich dabei oft unerträglich. Das ist keine einfache Spazierfahrt durch einen privaten Jurassicpark zufällig entdeckter Existenzen. Auch hier täuscht uns Seidl: Diese anderen sind wir, diese 'Hundstage' sind die unseren. 34 Grad im Schatten unserer Zivilisation. Sehr heiß und sehr kalt. So genial hat schon lange keiner mehr an der Klimaanlage gedreht. Ulrich Seidl - Sie werden unserer Anerkennung nicht entkommen."
Im Sinne von Lorenz' Laudatio nahm auch das Premierenpublikum Seidls provokantes Spielfilmdebüt, das bisher bei allen Festivals heftig diskutiert wurde und die Meinungen spaltet, höchst positiv auf. Nach der Filmvorführung wurde bei der anschließenden Premierenfeier im MAK angeregt weiter diskutiert. "Hundstage" - bisher nebst "Großem Preis der Jury" bei den 58. Filmfestspielen von Venedig (September 2001) auch bei den Filmfestivals von Gijon (November 2001) und von Bratislava (Dezember 2001) ausgezeichnet - startet morgen, Freitag, 18. Jänner 2002, in den österreichischen Kinos. Derzeit läuft die österreichisch-deutsche Koproduktion außerdem im Wettbewerb des renommierten US-Festivals Sundance in Utah, ab nächster Woche steht "Hundstage" im Hauptprogramm des 31. Internationalen Filmfestivals von Rotterdam.

Ein Blick in die menschliche Seele
In "Hundstage" porträtiert der für seine provokanten und polarisierenden Dokumentarstudien wie "Good News", "Die letzten Männer" oder "Tierische Liebe" bekannte Filmemacher Ulrich Seidl eine Gruppe von Menschen an der südlichen Peripherie Wiens. Die aus sechs losen, fragmentarischen Episoden verdichtete Milieustudie bringt umbarmherzig ans Licht, was sich in der trügerischen Stille eines hochsommerlichen Wochenendes - den so genannten Hundstagen - hinter den Fassaden kleinbürgerlicher Durchschnittlichkeiten verbirgt. Seidls zentrale Themen darin sind Liebe, Einsamkeit, enttäuschte Sehnsüchte und die Schrecklichkeit des Alltags. Vordergründig skandalträchtig angesichts seiner Tabulosigkeit entpuppt sich "Hundstage" nach und nach als behutsames Menschenbild eines gnadenlosen Beobachters der Abgründe der menschlichen Seele.
Die Stärke seines jüngsten Werks liegt laut Regisseur Ulrich Seidl, in der Authentizität: Die Hauptrollen - neben den professionellen Schauspielern Maria Hofstätter und Georg Friedrich sind alle mit Laiendarstellern besetzt, teilweise spielen sie sich sogar selbst. Die Dialoge im Film sind improvisiert, denn das Drehbuch, das Seidl gemeinsam mit der Journalistin Veronika Franz verfasste, bestand nur aus Szenenbeschreibungen.
Die Dreharbeiten zum Film erstreckten sich auf Grund der notwendigen Wetterbedingungen, der Titel gebenden "Hundstage", in etwa auf drei Jahre.

"Hundstage" ist eine Produktion der Wiener Allegro-Film in Koproduktion mit The Coproduction Office/Berlin, hergestellt mit Unterstützung des ORF, des Österreichischen Filminstituts, des Wiener Film Fonds sowie des Landes Niederösterreich.

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