Niederwieser: "Die Regierung erschafft eine wissenschaftliche Söldnertruppe"

Wien (SK) Im Rahmen einer Podiumsdiskussion zur Universitätsreform kritisierte der Wissenschaftssprecher der SPÖ, Erwin Niederwieser, Mittwoch abend die Vorschläge der Bundesregierung zur Reform. Unter dem Titel: "Universitäten im Spannungsfeld zwischen Staat, Markt und Zivilgesellschaft" debattierten die Wissenschaftssprecherinnen der Parlamentsparteien über die Rolle der Universitäten in der Zukunft und dazugehörende politische Reformmodelle. Anlass dazu gab die vorangegangene Buchpräsentation "Universitäten in der Zivilgesellschaft" (Passagen Verlag), danach wurden Gertrude Brinek (ÖVP), Martin Graf (FPÖ), Kurt Gründewald (Grüne) und Erwin Niederwieser (SPÖ) auf das Podium gebeten. ****

"Die Regierung erschafft eine wissenschaftliche Söldnertruppe", kritisierte Niederwieser in der Diskussion. Die Reformbestrebungen der Regierung müssten als Eingriff in die universitäre "Wertegemeinschaft" gesehen werden. Die vorgesehenen Änderungen im Dienstrecht für Professoren zerstören, durch den befristeten Charakter, diese Gemeinschaft und nehme ihr das "Potenzial zur Innovation". Niederwieser betonte, dass die österreichischen Universitäten sehr wohl Reformbedarf hätten, es würde jedoch mit dem derzeitigen Konzept der Bundesregierung keine gemeinsame Beschlussfassung geben. Denn die Universitäten seien Teil einer demokratischen Gesellschaft, und die Politik sabotiere derzeit demokratisches Leben an der Universität.

Niederwieser forderte "deutlich weniger Staat und wesentlich mehr Autonomie" für die Universitäten, um mit der Zivilgesellschaft in Kooperation treten zu können. Wenn dies zu einem "Output-gesteuerten" Finanzdruck führe und Forschung nach ihrem Nutzen beurteilt werde, dann könne die Universität schlichtweg ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen. Statt "Partizipation mit Betrieben" sieht Niederwieser eine "Anbiederung an die Effizienzbedingungen des Weltmarktes", und das bedeute das Aussterben der universitären Vielfalt. Es werde sich für eine in Finanznot geratene und unter Druck gesetzte Institution schwer gestalten, mit der Zivilgesellschaft zu arbeiten und sie werde der "Gefahr der Außensteuerung" ausgesetzt.

Die Reformbedürftigkeit der Universität sei "nichts Besonderes", es solle kein Mythos darum entstehen, vielmehr müsse sie einer ständigen Veränderung unterzogen werden und auch veränderbar bleiben. So müsse auch an Know-how gearbeitet werden, um die "Schätze der Hochschulen" der Öffentlichkeit näher zu bringen. Die Universitäten seien nicht nur Teil einer demokratischen Gesellschaft, sonder auch Teil der Zivilgesellschaft und als solches müssten sie auch funktionieren, so Niederwieser abschließend. (Schuss) ie

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